Nationalstraße

Vandam in Prag.

Vandam (Hynek Cermák) hat ein klares Weltbild: Frieden ist nur der Zustand zwischen zwei Kriegen. Seine einfach eingerichtete Wohnung in einer Satelliten-Plattenbauvorstadt von Prag ist mit Karten und Grafiken zu historischen Schlachten geschmückt. Nach Drogen, Gewalttätigkeiten und Knast hat er mit 50 sein Leben geregelt bekommen, wie er findet. Seinen erwachsenen Sohn darf er nicht sehen. 

Vandam arbeitet auf dem Bau. Seinen Kumpel Psycho (Jan Cina), ein wunderbarer Gegentyp zum glatzköpfigen Vandam, unsicher und irritierbar, braucht er, weil dieser einen Führerschein hat, um ihn im alten Skoda, prima „tschechische Wertarbeit“, zu fahren. 

Vandam hält wenig vom Politiker-“Gelabere“, wie gut und schön doch alles sei; er hat die Welt anders kennengelernt. Mit seinem geradeaus Motto „Wahrheit und Liebe“ konnte er sich nicht aus dem Plattenbauleben hinauskatapultieren wie sein größerer Bruder. Vandam ist da geblieben, wo er mit seinem alkoholkranken Vater aufgewachsen ist. 

Gerade weil sein Weltbild so klar ist, lässt er sich leicht in Auseinandersetzungen hineinziehen. Selbst sieht er sich als tolerant und friedlich. Kein Mensch stört ihn, egal woher er kommt, wie er aussieht und spricht. Nur, wenn so einer Stress macht, dann wird er auf seine gut trainierte Muskelkraft zurückgreifen, 200 Liegestütze am Stück, Vorbild ist ein Hollywood-Held ähnlichen Namens. 

Die Story in dieser großartigen Verfilmung des Romans von Jaroslav Rudis durch Stepan Altrichter ist einfach, gerade einfach genug, um Vandam in neue und extreme Stresssituationen zu bringen. 

Die Stammkneipenwirtin Lucy (Katarina Janecková) ist hochverschuldet. Ein Immobilienhai will Geld und Kneipe eintreiben. Das verursacht Stress für Vandam und treibt die Geschichte auf dem Felde der Gentrifizierung voran als starkes Soziodram mit einem wunderbaren Cast, einer prima deutschen Nachsynchronisation und ein paar ungewöhnlich leisen Ansichten von Prag. 

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