Gegen den Strom – Abgetaucht in Venezuela

Nicht ohne Romantik

und Abenteuer, seien Flucht und über 25-jähriges Untertauchen gewesen, erzählt Thomas Walter in Venezuela dem Filmemacher Sobo Swobodnik (Lebe schon lange hier, Therapie für Gangster – Suchtkranek Straftäter und die Forensik, 6 Jahre 7 Monate und 16 Tage – Die Morde der NSU, Der Konzertdealer).Nach Sichtung des Filmes wirkt die BKA-Website voll verschnarcht. 

Ein Film über einen vom Bundeskriminalamat immer noch als Mitglied einer linksterroristischen Vereinigung gesuchten Mann ist selbstverständlich immer auch ein Statement zu diesem offenbar nicht ad acta gelegten Verfahren. Es geht, so ist es diesem Film zu entnehmen, um eine beabsichtigte Sachbeschädigung (Sprengstoffanschlag gegen ein im Umbau befindliches Abschiebegefängnis) von 1995. Die Begründung für die geplante Tat (zur Ausführung ist sie nicht gekommen) der drei „Terroristen“, es waren noch Bernd Heizbreder und Peter Krauth mit von der Partie, war „friedensstiftend“, wie Walter dem Dokumentaristen sagt. Diese Begründung war politisch und das muss der Grund dafür gewesen sein, dass die drei als extrem gefährliche Täter – immer noch – gesucht werden. 

Die Drei tauchen unter. Da fängt durchaus Romantik und ein bewegtes Leben an, wie Walter es schildert. Sie waren Typen, die für Linke in Ordnung waren und durch ein Netzwerk von ähnlich Gesinnten durch die halbe Welt beschützt und weitergebracht wurden. Da spricht Walter heute noch voll Bewunderung darüber. 

Der Grund, sich nicht zu stellen, war der, dass sie eine (vermutlich: exemplarisch) drakonische Strafe zu erwarten gehabt hätten. Stattdessen sind sie abgetaucht. Sie landen alle Drei in Venezuela unter dem Chavez-Regime, das in den frühen 2000ern durch die Umverteilung nach unten ein passables politisches Modell für ein sozialistische Land abgab, was dann aber von der Partei unterminiert worden sei. 

2017 machen sich die Drei, die immer in Verbindung geblieben sind und auch nicht weit voneinander entfernt in Venezuela leben, öffentlich, tauchen wieder auf. 

Walter betreibt etwas Landwirtschaft, lebt mit einer deutschen Lebensgefährtin in wild wucherndem Dschungel, hat Hühner, Anpflanzungen, stellt auch Schockolade her und pflegt mit seiner Gitarre einen linkspolitischen Country-Stil, bei dem ein Text, dass er wieder nach Hause möchte, seinen Platz hat. 

Im Film entwickelt Walter Songs mit dem Musiker Pablo Charlemoine aus Berlin. Der besucht ihn und sie nehmen zusammen Musik auf. Um das Studio mit Strom zu versorgen, bringen sie den eigenen Generator mit, den sie am Abend wieder einen steilen Fußweg zu Walters Behausung hinauftragen. 

Der Film, der mit minimalsten Mitteln gedreht wurde, gibt Impressionen vom leidenden Land Venezuela ab. Immer wieder fällt der Strom aus. 

Walter ist ein unverbesserlicher Romantiker, nach wie vor ein linker Idealist und hat, das macht der Film deutlich, dank der unwirksamen Verfolgung durch die deutsche Kriminalpolizei, ein sehr viel spannenderes Leben gehabt, als dasjenige in einem deutschen Knast. Den Deutschen Steuerzahlern sind durch die fortwährende Fahndung enorme Kosten entstanden. Walther amüsiert sich, wenn er eine Sendung Aktenzeichen XY vorgespielt bekommt, wie ungenau die Personenbeschreibung sei und wie wenig offenbar die verfolgenden Behörden über die Ausgeschriebenen sich zusammenreimen können. 

Walter vermutet auch, dass einige aus diesen Behörden den mutmaßlichen Aufenthalt der Gesuchten in Lateinamerika zum Anlass genommen haben, um ein paar hübsche Badetage am Meer in Lateinamerika zu verbringen. 

Walter verfolgt mittels Zeitungs- und Zeitschriftenlektüre aufmerksam das Geschehen in Deutschland.

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