Monos – Zwischen Himmel und Hölle

Mondo Guerillero.

Ungeniert spektakulär schildert Alejandro Landes, der mit Alexis Dos Santos auch das Drehbuch geschrieben hat, das Leben einer Teenie-Gruppe, die hoch in den Anden sich auf den Einsatz als Rebellen vorbereitet, weitgehend sich selbst überlassen, müssen sie auch noch eine Geisel, Doctora Sara Watson (Julianne Nicholson), bewachen. 

Landes interessiert nicht die Moral, nicht eine realistische Geschichte, ihn interessiert die Schilderung der Attitüde ‚Jugend (oder Heranwachsen) ist Krieg und Krieg ist Spiel‘ (das ist kein Zitat aus dem Film) und dass daraus bitterer Ernst werden kann; aber auch der bleibt malerisch. Insofern ist durchaus eine Nähe zu den Mondo-Filmen der 60er-Jahre gegeben. 

Es ist dieser Aufruhr des Erwachsenwerdens, seine Grenzen nicht kennen und diese auch überschreiten mit gelegentlich tödlichen Folgen; andererseits die Einordnung in ein paramilitärisches System, absoluter Gehorsam. Innerhalb dieses Systems kann der 15-Jährige problemlos ein gleichaltriges Mädchen heiraten. Die ganze Truppe macht einen emotionsgeladenen Tanz drumherum, ein brodelndes Fest auf dem kahlen Hügel mit den Bunkeranlagen und dem Schützengraben inklusive bunt leuchtend dekorierter Kuh. 

Dass es sich um eine Allgemeinschilderung des lateinamerikanischen Guerrillerowesens handelt, wird auch dadurch klar, dass der Film auf konkrete Orts- und Zeitangaben verzichtet; er schreibt nicht mal ‚irgendwo‘ in den Anden. Lediglich am Schluss fliegt ein Helikopter mit einem unbekannten Jungen auf „eine Stadt“ zu. Es ist Rambo (Sofia Buenaventura), der verweichlichste und weinerlichste der Jungen, den ein Fluss auf eine Sandbank angespült hat. 

Bis dahin schildert Landes in aufregendst möglicher Art militärische Übungen, blindes Fußballspiel, woodohafte Tänze, Auspeitschung als Glückwunsch zur Hochzeit, militärischer Angriff, Tötung einer Kuh, Tod des Anführers Lobo (Julian Giraldo), harte Bestrafungen innerhalb der Truppe, Umzug in den Dschungel, Funkkontakt mit Lebenszeichen der Geisel, Filmen der Geisel, Flucht der Geisel, Denunziationsbefehl, wilde Dschungelbilder, reißender Fluss, orgiastischer Tanz, tropischer Dschungel, Ausschlachten einer Kuh, Schüsse in die Luft, Geisel in Ketten gelegt, neue Flucht. 

Die Musik zieht mit dem Spektakulären der Bilder gleich. 

Jugend außer Rand und Band und mit einem Fuß bereits im Grab; entindividualisiert; Zukunftsperspektive kein Thema; aufregend, aber auch gefährlich ist das Hier, das Heute, das Jetzt. 

Die Farc in Kolumbien hat zwar 2017 die Waffen niedergelegt; aber inzwischen ist sie wieder aufgeflammt. Das Thema ist nicht aus der Welt.

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