Enfant Terrible

Kino für Sachbearbeiter.

Oskar Röhler und sein Drehbuchautor Klaus Richter haben viel Fleiss und Einsatz und sicher auch die Absicht von Genauigkeit in dieses Biopic über Rainer Werner Fassbinder gesteckt und Oliver Masucci spielt sich einen Wolf, zieht über zwei Stunden eine enorme, bewunderungswürdige Fassbinder-Show ab und sieht in einzelnen Momenten dem Regiewunder des Jungen Deutschen Filmes verblüffend ähnlich. 

Aber Masucci ist nicht Fassbinder. Er hat nicht diesen Liebeshunger, der RWF so unwiderstehlich und auch unausstehlich machte. Er bleibt ein kopiegenaues Abziehbild, wozu auch Ausstattung und Maske das ihre beitragen. Aber Oliver Masucci muss zur Zeit im deutschen subventionierten Film alles spielen, was irgend geht, auch den berühmten, bissigen Theaterkritiker Alfred Kerr in Als Hitler das rosa Kaninchen stahl auch hier eine talentierte Fehlbesetzung. 

Das ist vielleicht mit ein Grund, warum dieser Film mehr über den Zustand des subventionierten deutschen Kinos aus den 2020ern erzählt als über Rainer Werner Fassbinder. Denn dieses aktuelle, subventionsüberdüngte, TV-redaktionsabhängige Kino ist nicht nur prüde (Fassbinder trägt noch in der größten Kokssause ordentlich eine Unterhose genau so wie sein Liebhaber), es erinnert an das erstarrte Hollywoodstudio-System, gegen welches sich ungefähr zur Fassbinder-Zeit das New Hollywood-Kino auflehnte; umso erfrischender wirkt dagegen Berlin Alexanderplatz von der Machart her.

Bei Röhler baggert sich die Geschichte statisch in nervtötendem Trott ohne Rhythmus, ohne Talent (Hansjörg Weißbrich ist um seinen Cutter-Job nicht zu beneiden) durch das Fassbinderleben, in einer Querelle-Klammer: mit einem Zitat von Jeanne Moreau zu Querelle, seinem letzten Film, fängt es an und Querelle war dann dieser letzte Film und bald darnach darf Masucci den Herztod dank Drogen mimen. 

Manche Figuren sind ins Grimassenhafte überzeichnet. Röhler doziert dieses Leben mehr lehrhaft als dass er dahinter zu schauen versuchte. 

Wer mit RWF und seinen Film befasst ist, der kann hier Beschäftigung finden darin, welche Filme vorkommen, welche Leute, was historisch korrekt ist und was vielleicht auch nicht; Aufgaben für einen eher beschränkten Kreis von Leuten. 

Es ist kein mitreißender Film. Es ist ein sehr, sehr ordentlicher Film geworden. Der Trott ist sogar so bleischwer und schwerblütig – und dabei gründlich bedacht gedacht, dass ich immer darauf gewartet habe, dass der Film in eine andere Ebene springt, auf der sich zB heutige Betrachter über dieses gezeigte Leben unterhalten, die versuchen, den RWF ins Heute zu holen. Findet nicht statt. 

Der Film scheint produziert für einen vorzeitigen Eingang ins Museum des hochsubventionierten deutschen Kinos der beginnenden 2020er und seiner Anomalien dank Mitwirkung des Fernsehens. Vielleicht sucht das deutsche Kino hier seine verlorene Seele – und findet sie nicht. Da helfen auch die vielen theatralen Ausbrüche der Darsteller und die damit verbundene Lautstärke nichts. 

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