Gipsy Queen

Underdog-Sport.

Boxen ist ein Underdog-Sport. Nicht nur für Männer. Wer hart eingesteckt hat im Leben, der kann bei diesem Sport hart austeilen; wer tiefe Verletzungen erlitten hat im Leben, der hat eine Motivation, die zum Nichtaufgeben, zum Siegen reicht. 

Die solches erlebt und erlitten hat in diesem neuen Film von Hüseyin Tabak (der mit Das Pferd auf dem Balkon in bester Erinnerung geblieben ist), heißt Ali (Alina Serban). 

Ali ist Roma. Von ihrem ehrgeizigen Vater wurde sie zu Jugendboxweltmeisterin getrimmt – und nicht für die Ehe. Folge davon sind zwei uneheliche Kinder; wirklich süßer Cast Goldjunge Mateo (Aslan Yilmaz Tabak) und nicht weniger Goldmächen Esmeralda (Sarah Caramo Valiejos). 

Beim zweiten Kind reicht es dem Vater. Er verstößt die Tochter brutal. Sie muss sich in Hamburg selbst durchschlagen. Wohnung findet sie nur dank der Schauspielanfängerin Mary (Irina Kurbanova), bei der sie mit den Kindern unterkommen kann. 

Ali geht auf den Arbeiterstrich. Für 5 Euro die Stunde findet sie einen Job. Der wirkt insofern hochaktuell, als sich die Arbeiter vorher einen Mundschutz überziehen müssen für die Abbrucharbeiten, bei denen Ali ihren Mann stellt. 

Oder sie arbeitet als Putzkraft im Boxclub „Die Ritze“. Chef ist der großartige Tobias Moretti inklusive Hamburch-Diktion als Tanne. Neben ihm beeindruckt Catrin Striebeck als Thekenkraft Gloria. 

Im Boxclub bahnt sich allmählich das Märchen an, das für solche Fälle die Gemüter berührt, das aus dem Film ein Kämpferinnen- und Gefühlskino erster Güte macht. 

Im Drehbuch, das auch von Hüseyin Tabak stammt, sind die nötigen Hindernisse und Twists vorgesehen, die die hilflose Frau schier abstürzen und immer am Rande des Ruins agieren lassen. Aber der Zuschauer kann beruhigt sein, kann sich auf ihr Kämpferinnenblut verlassen. 

Am Ende des Vorspanns friert das Bild ein, das anschließend in ansprechende Zeichnungen übergeht. 

Der Film punktet mit einer prima Auswahl an exzellent spielenden Darstellern, mit einer leicht nachvollziehbaren Story und einer stimmigen Milieuschilderung. 

Gipsy Queen wurde Ali schon vom Vater genannt, auch das natürlich eine brutale Erniedrigung in der falschen Erhöhung; dabei will sie doch nur eine ehrbare Frau sein; das ist vielleicht etwas zu sozialromantisch in der Konstruktion ihrer Figur. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.