Lebenslinien: Für uns zählt jeder Atemzug (R, Montag, 18. Mai 2020, 22.00 Uhr)

Eine ganz normale Familie

Manuela stammt aus einem Dorf in Niederbayern. Rundum glückliche Jugend. Keine Brüche. Michel stammt aus Persien, studiert in Deutschland. Sie lernen sich beim Tanz kennen. Liebe, Heirat, Kinder, einige Jahre bis zur Revolution in Persien. Dann zurück nach Deutschland. Zwei Kinder. Hausbau. Guter Job für Michel als Ingenieur in der Computerbranche. Bilderbuchhafte Lebensläufe. 

Bis zum Tag, an dem Manuela „den Hebel umstellte“, als sie vom Arzt die Diagnose ALS für ihren Mann Michel vernahm verbunden mit der Perspektive eines Lebens, das nur noch drei Jahre dauern würde. Das ist jetzt auch schon über zehn Jahre her. 

Jasmin Cilesiz Linhart (Redaktion Sonja Hachenberger) berichtet von dieser Familie, lässt sie selber erzählen, in Erinnerungen kramen und natürlich ist die Erkrankung ihres Mannes das zentrale Thema. 

Heute braucht er rund um die Uhr einen Pfleger, er kann sich nur noch mit den Augen bemerkbar machen, wird künstlich beatmet und künstlich ernährt; arbeitet jedoch noch von zuhause aus, hält den Kontakt zu seinen Kollegen, bei denen er beliebt ist. 

Die Kinder haben sie ins Internat gesteckt. Manuela hat an einem bestimmten Punkt, als es darum ging, auf Maschinen zu verzichten, sich für das Leben ihres Mannes entschieden; wodurch sie noch einige gemeinsame Jahre dem Schicksal abzwicken konnten; eine Selbstverständlichkeit für Manuela; es ist Liebe, wenn sie auch den Begriff so nicht benutzen würde; Kraft gibt ihr auch die Religion. 

Was diese Lebenslinien hochaktuell macht, ist die Coronakrise, die über Nacht das Selbst- und Lebensverständnis einer ganzen Luxusgesellschaft in Frage gestellt hat. Insofern ist es ein optimistischer Film; Krisen sind da, um daran zu reifen, um sich daran weiterzuentwickeln. 

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