Zombi Child

Haiti 1962

HÖRT IHR WEISSEN

UNSERER TOTEN AUFRUHR

HÖRT MEINE ZOMBIE STIMME

ZU EHREN UNSERER TOTEN

René Depestre

Spätfolgen des Kolonialismus

oder eine Einführung in den Haiti-Voodoo

für höhere Töchter eines exklusiven, katholischen, französischen Institutes, das sich dadurch auszeichnet, dass dessen Schülerinnen von Trägern oder Trägerinnen französischer Ehrenorden abstammen. Deshalb auch tragen sie zur Schuluniform staatstragend eine Schärpe und von ihnen wird besondere, nationale Verantwortung erwartet. 

Was die wunderhübschen jungen Damen, die in den späten Teens stecken, nicht daran hindert, Liebesgefühle oder Liebesvorstellungen zu entwickeln, das können Gefühle zu Mitschülerinnen sein oder auch der Traum von einem Tarzan in strammer Jeans im Dschungel. 

Cliquenbildung gehört zu dieser Altersstufe. Fanny (Louise Labeque) ist in der verschworenen Gemeinschaft einer Literatur-Gang. 

Regisseur und Autor Berrand Bonello lässt neu in diesem Institut Mélissa (Wislanda Louimat) erscheinen. Was hat sie als Haitianerin da zu suchen, wie sollen da Vorfahren französische Ehrenauszeichnungen haben? Das bringt das Thema der Mambo in den Literaturzirkel, denn Fanny mag Mélissa und will sie in ihren Zirkel einführen, nach voodoohaftem Ritual. Ihre Mutter war in der Ehrenlegion, weil sie sich gegen die Diktatur auf Haiti gewehrt hat. 

Bonello montiert in der Art einer Collage die Gegensätze des Lebens auf Haiti, beginnend in 1962 bei Zombies auf Zuckerrohrplantagen mit denen des elitären französischen Mädcheninstitutes von heute. 

In Haiti wird ein Zombi-Pulver in einen Schuh gestreut. Der Mann bricht bald drauf auf der Straße zusammen. Das ist der Beginn der Rahmenhandlung, die einiges über die Zombies auf Haiti erzählt. Das Gegenstück findet im Heute in Frankreich im vornehmen Institut statt. Hier wird Geschichtsphilosophie doziert, ob es einen Fortschritt in der Entwicklung der Freiheit gibt oder über die Reinheit von Elementen und auf Balzac ist ebensowenig zu verzichten. Das ist die Tagesseite. Nachts können Parallelhandlungen zum Zombietum in Haiti in den Internatsräumen stattfinden, nichts Ungewöhnliches für Anstalten mit Pubertierenden. 

Bonello bebildert in seinem Film Sklaven-Traumata, die sich über Generationen fortpflanzen, die ein Eigenleben führen und die zurückzuführen sind, auf die grausame Geschichte Haitis und wie solches Unrecht bis in die heutige Zeit noch nach Frankreich hineinwirken kann. Die Frage, ob es einen Fortschritt in der Geschichte gebe, die bleibt offen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.