They call me Babu (DOK.fest München 2020)

Niederländisch-Indien 

oder Niederländisch-Ostiniden war der Name des heutigen Indonesiens als holländische Kolonie von 1602 bis 1949. 

Die reichen holländischen Kaufleute oder Staatsangestellten beschäftigten arme Indonesierinnen als Kindermädchen. Die nahmen sie auch mit nach Holland. Sie wurden „Babu“ genannt. 

Von diesen Nannys gibt es Berichte und im 20. Jahrhundert mit dem Aufkommen des Filmes von Holländern auch Amateuraufnahmen. 

Aus den Zeugnissen vieler Babus und aus einem Fundus von Archivfootage von Holländern aus der Zeit hat Sandra Beerends die fingierte Geschichte einer solchen Frau synthetisiert und diese mit alten Filmausschnitten illustiert. 

Der Grund dafür, dass Babu diesen Job macht. ist der, dass sie von ihrem Vater verstoßen worden ist, weil der lieber einen Jungen gehabt hätte. Deshalb hat sie das Angebote angenommen, das recht abenteuerlich war, für zwei Jahre mit der Familie nach Belanda, Holland, zu gehen, um sich vor allem um das kleinste Kind der Familie, Jantje, zu kümmern. 

Somit gibt es die luxuriöse Seite des Kolonialismus zu sehen, die Überfahrt auf dem Luxusdeck eines Dampfers, die Vergnügungen vom Sackhüpfen über das Wellenbad, die Durchfahrt durch den Suezkanal, der obligatorische Ausflug zu den Pyramiden. Holland, die Kälte, der Schock für Babu, dass sie im Geschäft mit „Madame“ angesprochen wird. 

Nach zwei Jahren die Rückreise nach Indonesien. Am Rande bekommt sie mit, dass die Nazis in Holland einmarschiert sind. Japan nimmt Indonesien den Holländern weg. Über Nacht verliert sie ihre Herrschaft. 

Über die Japanisierung Indonesiens liefern die Archive deutliches Material, wie roboterhaft zackig in den Fabriken gearbeitet oder in der Schule gelernt wird. Glücklich schaut niemand aus. 

Babu findet als neue Herrschaft eine chinesische Familie. Für eine Liebesgeschichte zu einem traditionellen Tänzer, Ribut, gibt das Archiv auch genügend her. 

Sara Beerends lässt ihre Geschichte traurig und glücklich zugleich ausgehen. Der Tänzer treibt als Leiche im Fluss. Babu aber trägt schon etwas von ihm im Leibe. Die Geschichte wird über den Bildern von einer Frauenstimme vorgetragen. Für Hahnenkämpfe, Stabpuppenspiel und traditionelle Tänze bleibt auch noch Zeit.

Darüber könnte man vielleicht streiten, ob das Material wirklich so eine zurechtgebogene Geschichte braucht, oder ob nicht eine etwas systematischere Darstellung des Filmmaterials nachhaltiger und informativer wäre. 

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