The Letter (DOK.fest München 2020)

Afrika-Normalität.

Ausgangspunkt für den Film von Maia Lekow und Christopher King sind Zeitungsberichte über die Ermordung von alten Menschen in Kenia, weil sie der Hexerei beschuldigt wurden, Hexerei, die Unglück und Krankheit über andere Menschen ihrer Familien, ihres Dorfes bringt. 

Das scheint in Kenia ein gängiges Phänomen zu sein, jedenfalls schaut der Film auch bei einem Altenheim vorbei, in dem Menschen wohnen, denen die Ermordung aus diesen Gründen droht, eine geschützte Anlage. Eine spezielle Art afrikanischen Altenheims. Vorm Betreten bitte die Schuhe ausziehen.

Die Filmemacher haben als Leitfigur einen jungen Mann gefunden, der in Mombasa Puppenspieler ist. Mit ihm fahren sie in sein Heimatdorf. Dort wohnen viele seiner Verwandten in mehreren Häusern, die alle beieinander stehen. Es ist ein bescheidener Wohlstand, die Menschen sind nicht ungebildet, Autos können sie sich nicht leisten, eine Tante konnte sich ihr Haus mit dem Geld bauen, das sie bei der UNO verdient hat bei weltweiten Einsätzen. Viel mehr ist über die Berufe und den Bildungsstand seiner Familie nicht zu erfahren. 

Es ist eine Stimmungsbild-Doku, eine Doku, die unter dem Vorwand der Hexerei-Geschichte uns afrikanische Normalität aufzeigen will gegen das Bild der Hilfsbedürftigkeit Afrikas, der Unterentwicklung. 

Es ist keine Recherche-Doku. Die Filmemacher inszenieren öfter Szenen, in welchen sie ihre Protagonisten im Wohnzimmer beieinander sitzen und sich über ein Thema meist im Zusammenhang mit der Hexerei reden lassen. 

Als Beifang gibt es eine Hochzeit oder eine Hexereiaustreibungsgottesdienst eines anglikanischen Pfarrers, der Puppenspieler hat einen Auftritt in Mombasa oder seine Oma arbeitet auf dem Acker oder erntet Getreide. 

Es wird das Bild von paradiesischen, zumindest angenehmen Lebensverhältnissen in afrikanischer Landschaft entworfen und da gehören Gerüchte über Hexerei nun mal dazu; was doch nahtlos in die Vorurteilswelt von uns Westlern passt. 

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