Suspensión (DOK.fest München 2020)

Hütet Euch vor dem Dschungel!

Das kann in etwa als die Moral gelesen werden dieses Dschungel-Straßenbau-Filmes von Simón Uribe, der mit Joaquín Uribe auch das Drehbuch geschrieben hat. 

Die Serpentinen des Filmes drehen sich um die verkehrsmäßige Erschließung von Mocoa mitten durch das steil-bergig-zerklüftete kolumbianische Amazonas-Gebiet als Verbindung von Mocoa mit dem Inneren Kolumbiens.

1944 haben Kapuziner-Mönche in zwei Jahren eine ungeteerte Straße gebaut. Das bebildert der Film knapp mit schwarz-weiß Archivfotografien. 

Dann hupft der Film auf 1995. Jetzt gibt es eine halsbrecherische Straße, ungeteert, theoretisch mit zwei Fahrbahnen, praktisch ist ein Ausweichen mit entgegenkommenden Fahrzeugen kaum möglich. Für deren Bau seien zehn Jahre nötig gewesen. Aus 1995 gibt es außerdem archivarisches Sensationsfootage wegen eines enormen Erdrutsches, der Teile der Straße weggerissen hat. Jetzt ist oft die Rede von einem „Bypass“ über San Francisco (Kolumbien) als Alternative. 

2014 geht es darum, eine kühne Autostraße zu bauen mit Tunnels und geschwungenen Brücken. Sieht im Modell fantastisch aus – aber auch brutal. 

2017 verweilt der Film detailliert und nah bei den Betongießarbeiten für den Straßenbelag in schwindelnder Höhe einer Eisenkonstruktion von Brücke auf kirchturmhohen Pfeilern. Wenig später steht die Brücke fertig, ragt ins Nichts hinaus, die Bauarbeiten sind eingestellt, die Menschen machen Ausflüge zu dem Bauwerk. 

Dann Sprung zum letzten Sensationsfootage, das vom 31. März 2017. Sintflutartige Regenfälle spülen Mocoa weg. Mit dem Dschungel hat sich schon Werner Herzog schwer getan, warum sollen Filmer es heute leichter haben?

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