Punks (DOK.fest München 2020)

Punkploitation

Kaputte Jugend ist ergiebig für die Leinwand, wie denn sowieso das Kaputte, das Außenseiterische, das Verkommene, das Nicht-Integrierbare fürs Kino attraktiv erscheint. 

Maasja Ooms hat sich in ihrer Dokumentation für kaputte Jugend aus Holland entschieden. Teens, die nich integrierbar sind in deren Familien, deren Eltern überfordert sind, Kids, die mit Drogen handeln, auf Bewährung draußen sind. Kids, die bessere Menschen werden sollen, die ihr Leben in den Griff bekomen sollen. 

Eine Institution, dies zu ermöglichen, scheint die Gesprächstherapeutin Petra zu sein. Sie lebt im hügeligen, rauen Frankreich, in einem Gehöft aus Stein mit etwas Landwirtschaft. Hier nimmt sie solche Kids auf. Die Handys werden ihnen abgenommen. 

Petra insistiert auf ständigen Befragungen, warum sie dies und warum sie das getan hätten, konfrontiert sie mit früheren Aussagen, auch auf Video. 

Petra und drei holländische Punks, wie sie hier genannt werden, sind die Protagonisten. Später kommt noch ein Mädchen und noch später ein weiterer Junge hinzu. Er scheint, was die Dreharbeiten für den Dokumentarfilm betrifft, unvorbereitet. Er ist der einzige, der seine Umgebung, also auch die Kamera und die Regisseurin dahinter, wahrnimmt; in diesem Moment erscheint Davino authentisch. 

Bei den anderen scheint mir das Problem, dass die Mäuschen-Doku-Methode die Lage verändert. Sie wissen genau, dass eine Kamera dabei ist und vermeiden es voll professionell, in die Kamera zu blicken. Von dem Moment an sind sie Schauspieler, Darsteller ihrer selbst, ja: Filmstars. Das wirft zwar auch schon schön was ab für die Leinwand, wirkt aber nicht als mehr denn als Punkploitation. Insofern ist es keine authentische Darstellung und es wäre sicher ein gewaltiger Unterschied zwischen diesem so vorgespielten Leben und dem unbeobachtet sich fühlenden Leben auf der Station. 

Ein Handlungsstrang ist die Geschichte zwischen Mitchel und seinem Vater, der ihn mehrfach besucht. Auch hier sind die Begegnungen Gespräche unter der Leitung von Petra. Über die Mutter und den Bruder wird geredet. Es ist nicht überprüfbar, wie die sind, sind sie doch lediglich Gesprächsobjekte. 

Da es sich um Gesprächstherapie handelt, wird konsequenterweise fast pausenlos geredet. Eine sportliche Veranstaltung für Untertitelleser. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.