Overseas (DOK.fest München 2020)

Heldinnen

nennt der philippinische Präsident Duterte sie, die OFWs, die Overseas Filippine Workers, die Frauen, die in Übersee, das ist für die Philippinen Hong Kong, Dubai, Singapur, die Emirate, Saudi Arabien, als Haushaltshilfen arbeiten, um Devisen in ihr Heimatland zu schicken. Sie selber halten von dieser Äußerung wenig, sie sehen sich nicht als Heldinnen – so wie in Deutschland ganz plötzlich die Pflegekräfte den Heldinnenstatus haben – sie wollen ihren Kindern ein anständiges Zuhause und eine Ausbildung bieten. Es dürfte sich, wie eine Sequenz gegen Schluss des Filmes zeigt, um ein Millionenheer von Philippinas handeln. 

Sunga-A Yoon hat einige dieser Frauen beobachtet, wie sie in ihrer Heimat in einem Ausbildungszentrum ihre beruflichen Fähigkeiten testen und verbessern, sich fortbilden. Der Film ist von seiner Einstellung zu seinem Objekt her am ehesten zu vergleichen mit dem hervorragenden französischen Film über die Ausbildung zur Pflege Zu jeder Zeit und teilt mit diesem Film eine in Dokumentarfilmen selten vorkommende Qualität, dass er stellenweise Unterhaltungswert hat, dann, wenn die Kursteilnehmerinnen in Rollenspielen Alltagssituationen in ihrem Beruf üben und die einen die Herrschaften spielen, die anderen die Dienerinnen. 

Ein altes und grundlegendes Thema, wer ist der Herr, wer der Diener und ist nicht viel mehr der wahre Herr ein wahrer Diener? 

In der Weiterbildung werden handwerkliche Fertigkeiten geübt und immer wieder gibt es Anekdoten und Geschichten aus ihren bisherigen Berufserfahrungen. Ihre Verträge laufen zwei Jahre und da kann es schon vorkommen, wenn eine Mutter zu ihrem Kind zurückkehrt, dass es von diesem erst mit „Tante“ angesprochen wird. 

Die Weiterbildung legt Wert auf die Menschenwürde , die nur zu oft missbraucht wird, von der Ausnutzung Tag und Nacht bis zum Versuch der Vergewaltigung. Die Frauen lernen hier, wie damit umgehen und dass sie nicht rechtlos sind. 

In Wela hat die Filmemacherin eine wunderbare Protagonistin, die zur Einstimmung eine Klo-Putzszene im Herrschaftshaus des Fortbildungsinstitutes vorspielt. Einen Geheimtipp, wie damit umgehen, erfährt der Zuschauer später: sich Dollarzeichen in der Kloschüssel vorstellen. Der Film wirft mit seiner Konzentriertheit auf die Sache und der unprätentiösen Erzählweise ein scharfes Licht auf einen wunden Punkt der Globalisierung. 

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