Le Chant d‘ Empédocle (DOK.fest München 2020)

Der Vulkan und der Kreislauf der Natur,

das Hochphilosophische gegen das elementar Handwerkliche und das Bäuerliche.

In der Art von Klaus Wyborny, der mehr von der naturwissenschaftlichen Seite her kommt, bespielen Sylvain l‘ Espérance und Marie-Claude Loiselle die Insel Naxos literarisch-philosophisch. Ihr Leit- und Titelmotiv ist Empedokles, der sich in einen Vulkan stürzte, um sich der Natur und deren Kreislauf zurückzugeben.

Für ihr Drehbuch, das sind literarische Texte, die im Off zu den dokumentarischen Bildern gesprochen werden, haben sich die Filmemacher von Texten von Empedokles (De la Nature/Purifications), Georg Büchner, Nietzsche und vielen anderen inspirieren lassen. 

Die Empedokles-Landschaft wird illustriert und betextet mit der Geschichte von einem Wanderer.

Es sind Bilder einer Landschaft mit Schafhirt, Marmorabbau, Kohleabbau und Kohlestromerzeugung aber auch Folklore, Gesang, und dann wieder hochmoderne musikalische Untermalung, Olivenernte, Käseherstellung, Melken von Ziegen von Hand oder mit moderner Melkmaschine, Glockengießen oder die Kamera verweilt auf bizarren Wurzel- und Gesteinsformationen; alles, was Werden und das Vergehen thematisiert, Vulkanmasse, Meereswellen, Meeresstrudel. 

Ein filmessayistisches Poem weder instruktiv noch informativ, sondern philosophisch-grüblerisch fasziniert von den Formen, dem Bild, aber auch Stadtimpressionen, Bebilderung des Wanderers, Dudelsack, Portrait einer Landschaft als Kulturlandschaft oder Kulturporträt, Faszination durch altertümlich wirkende Bergbaumaschinen bis hin zum Volktumsbrauch wilder Männer mit Pelzen und Glocken behangen, diese wild schüttelnd zum Erklingen bringend, die Männer sind schwarz angemalt. 

Der Film biegt nach all dem Hochphilosophischen ausgiebig in uraltes Brauchtaum ein wie Winteraustreibern, Vertreiben böser Geister (damit können ja nicht die Denker und Dichter gemeint sein), aber auch hier, beim traditionellen Tanz dreht sich am Ende alles im Kreis. 

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