Days of Cannibalism (DOK.fest München 2020)

Moderne Eroberung

Mit Geld und mit geschäftlichem Geschick und nicht mit Gewalt nisten sich Chinesen im bergigen Lesotho ein. Sie importieren Güter, betreiben Läden, fangen an, Land und Vieh aufzukaufen, Häuser zu bauen. 

Die hier beheimatete afrikanische Bevölkerung betreibt Viehzucht, hält Pferde, veranstaltet Pferderennen und liebt die Wetten. Land und die Bevölkerung sind arm, Jobs gibt es wenige. So scheint Viehdiebstahl, auch aus dem Nachbarland, an der Tagesordnung zu sein, denn wovon soll einer seine Kinder ernähren und Kleider kaufen, wenn er kein Einkommen hat? 

Teboho Edkins schildert in seinem extensiven Dokumentarfilm diese schleichende Eroberung. Er verzichtet auf Talking Heads und erreicht so mehr empirische Berührung, indem er Szenen filmt, in denen geschäftet wird, in denen gerichtlich verhandelt wird, in denen die Bevölkerung über die Gesetze aufgeklärt wird, in denen die Polizei Viehdiebe verfolgt und wie der Richter diese leichterhand zu langen Gefängnisstrafen verdonnert, aber auch Bauern, die die Ochsen zu impfen versuchen, Chinesen, wie sie ihre Lager füllen, ihre Ware verkaufen, wie sie den Einwohnern von Lesotho misstrauisch gegenüber stehen, die würden nur stehlen, die kann man nicht anstellen; das Misstrauen wird von Lesotho-Seite erwidert; am meisten Bewusstsein für die Lage kreiert die Radiostation Modjodi FM. Aber auch brutale Gewalt wird angewandt, es gibt Ausschnitte aus einer Überwachungskamera, wie ein chinesischer Laden überfallen wird. 

Anfangs sieht man afrikanische Einkäufer in China sich mit Waren eindecken, irre Geschäftigkeit. Und immer geht es um Geld, was viele Dokumentarfilme so gerne auslassen. Es gibt keine Erkärungen, keine Nachfragen, die Szenen sprechen für sich, berichten von einem ganz anderen Afrika, als die entwicklungshilfe-, sonnen- und safarifreudige deutsche Seele es gerne hätte. Die Einheimischen fühlen sich missbraucht in den chinesischen Fabriken, ist zu hören. 

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