Babenco – Tell me when I Die (DOK.fest München 2020)

Zusätzliches Leben und der Tod ist Hong Kong.

Und jetzt noch den Film über den Tod machen. Stell Dir vor, in drei Monaten stirbst Du. Dann hast Du drei Monate Zeit, eine Drehbuch zu schreiben und diesen Film zu machen. 

So ganz passt Hector Babenco der absehbare Tod nicht. Seine letzte Frau, Barbara Paz, filmt die Diskussionen und die Gespräche über diesen Film und dann auch übers Kino überhaupt. 

Statt zu sterben behauptet er, lediglich nach Hongkong abzuhauen, träumt von einer chinesischen Schauspielerin und bedauert nur, dass wenn er dort untertaucht, er die Kontakte zu seiner anderen Welt nicht aufrecht erhalten kann.

Es ist ein Film übers Filmemachen, über diese andere Realität, die Kino ist, auch übers Fremdsein, denn als Argentinier in Brasilien hat Babenco sich immer als Paria gefühlt. 

Der Film von Barabara Paz ist eine tief persönliche Hommage an einen großen Regisseur, der mit „Der Kuss der Spinnenfrau“ Oscar-nominiert war, bringt filmisches Archivfootage aus seinem Werk, erzählt die Geschichte von diesem letzten Film wiederum in der Art der Filme der Beat-Generation, mit der Babenco selber zum Filmemachen gekommen ist und passend dazu in Schwarz-Weiß mit dem besonderen Charme. 

Anekdoten fehlen nicht, wie er bei einem Dreh schnell für zwei Tag nach Sao Paolo geflogen sei, sich kurz ein Ganglion hat entfernen lassen und mit 20 Nähten, von denen keiner wusste, am nächsten Tag weitergedreht hat. 

Das Kino ist so etwas wie Lebensgewinn, es verlängert das Leben, es erweitert es, es verdoppelt es, es gibt dem Leben eine weitere Qualität. Das beweist dieser Film von Barbara Paz nicht nur mit Bildern und Worten ihres 2016 verstorbenen Gatten, das beweist er insgesamt als traumhaft schöner Essay-Film, würdiger Abgangsfilm. 

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