Helmut Newton: The Bad and the Beautiful

Nach Verlassen des Kinos nach dieser Kolossal-Nude-Galerie kommt einem das regnerisch-graue München doch recht prosaisch vor. 

Eindruck macht die Fotographie von Helmut Newton. Das ist kein Wunder, ist doch sein Geschmack, sein Stil direkt geprägt von Leni Riefenstahl. Allerdings hat er als Voyeur, wie er sich selbst bezeichnet, den Fokus auf das Objet nackte Frau eingeengt – und war damit welterfolgreich. 

Frauen, die er vor die Kamera holte – er castete sie bei sogenannten Go-Sees, waren gemachte Leute, karrieremäßig. 

Einige von ihnen hat Gero von Boehm für seine im enormen Wust des Werkes von Newton massiv schlingernde und schlitternde Dokumentation vor eine TV-biedere Kamera geholt und sie erzählen lassen, wobei er dem Zusatztitel seines Filmes „The Bad and the Beautiful“ keinerlei Rechnung trägt. 

Unter seinen Protagonistinnen sind Charlotte Rampling, Isabella Rossellini, Catherine Deneuve, Grace Jones, Claudia Schiffer, Hannah Schygulla, Anna Wintour. Promis. Promis. Deren Statements schneidet von Boehm willkürlich oder mit kurzer Referenz in die Bildspielereien seines Streifzuges durch Werk und Leben von Newton hinein. 

Es gibt Fotos selbstverständlich, Kontaktbögen, Dokus von Shootings, Schnipsel aus der Doku „Helmut Newton: „Frames from the Edge“ von Adrian Magen von 1989 (das ist eine besonders bequeme Tour des Dokumentierens!). Newton selbst kommt als ein Mensch rüber, mit dem man sich nicht vorstellen kann, Krach zu haben. 

Er ist versessen auf die Photographie, darauf, die Frauen nicht als langweilige Objekte rüberzubringen, sondern eine Photographie zu machen, die, wie die Vogue-Chefin es formuliert, „thoughtprovoking“ ist oder im Redakteurssprech: ein „Stopper“. 

Die Models haben volles Vertrauen in ihn und verstehen, dass Nacktfotographie bei ihm nichts mit Striptease zu tun hat, nichts mit privater oder persönlicher Entblößung, denn nie wirken die Bilder vulgär. 

Das Thema der Macht sowohl der Mächtigen als auch die Macht der Fotographie wird kurz gestreift beim Portrait des französischen Politikers Le Pen, den Newton in Machtpose wie Hitler mit einem mächtigen Hunde ablichtete. Auch letzterer dürfte sehr wohl gewusst haben, was er an der Fotographin Riefenstahl hatte. 

Der Film versucht gar nicht erst eine Analyse der Stärke dieser Fotographie; die wird indirekt belegt durch Shitstorms, die sie immer wieder ausgelöst habe, wie wir heute sagen würden. 

Historisches Detail: die enormen Mikros, die die Teilnehmer einer früheren Talkshow umgehängt hatten, wenn man vergleicht mit den heutigen Ansteckmikros, die kaum größer als ein Stecknadelkopf sind. 

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