Pelikanblut

Themenfilm Adoption.

Zum Thema ihres zweiten Langfilmes nach Tore Tanzt (Thema: religiöser Freak) hat sich Katrin Gebbe für das Thema die Adoption entschieden. Ihr ist aufgefallen, dass gerade Adoptiveltern alles daran setzen, zu zeigen, wie gut ihnen Familie gelungen ist. 

Dazu erfindet sie die Geschichte von Wiebke Landau (Nina Hoss), die auf ihrem Reithof Landau Polizeipferde zur Gelassenheitsprüfung vorbereitet, damit diese bei Demonstrationen nicht scheuen und eingesetzt werden können. 

Wiebke hat bereits das entzückende Mädchen Nicolina (Adelia-Constance Ocleppo) adoptiert. Das funktioniert auch hervorragend. Und da sie in Deutschland als Einzelperson kein Kind adoptieren darf, jettet sie nach Sofia, um noch ein kleines Schwesterchen, Raya (Katerian Lipovska) dazu zu bekommen. 

Katrin Gebbe schildert bis dahin das Leben auf dem Reithof wie es in so einem deutschen Themenfilm üblich ist, mit vielen TV-Realität behauptenden Dialogen, die vom Essen handeln oder davon, dass man noch was besorgen müsse, lauter Sätze, die weder die Handlung vorwärts treiben noch die Figuren als besonders charakterisieren. 

Mit Raya hat sich Wiebke allerdings etwas geholt, wovon sie sich nicht zu alpträumen getraut hatte. Raya hat nämlich eine reaktive Bindungsstörung, weil sie, was erst später offenbar wird, mit anderthalb Jahren zwei Tage neben ihrer toten Mutter gesessen hat. 

Raya ist rebellisch, zerstörerisch, sabotiert alles. Sie ist nicht einzubinden in die Familie. Das will Wiebke sich nicht anmerken lassen. Aber auch der Kinderpsychiater hilft nicht, der neue Freund, der selbst allein mit seinem Sohn lebt, ein etwas vernachlässigt wirkender Mann, wie die Regisseurin sowieso ihr ganzes Augenmerk auf die grandiosen drei Protagonistinnen Nina Hoss und die beiden Mädchen legt. 

Aus einer speziellen Therapiestätte reißt Raya auch wieder aus. So bleibt nach etwa zwei Stunden Spielzeit, weil ja all diese Pseudoalltagsdialoge gesprochen werden müssen, nur noch Voodoo. Und da verlässt der Film endgültig den engen Rahmen eines deutschen Themenfilmes. Vielleicht war das der Grund, warum er am Filmfest Venedig 2019 die Reihe Orizzonti eröffnen durfte.

Aus den Dialogen:  Und dann frühstücken sie so spät. Ich muss die Reiter vorbereiten. Wir müssen ihn verkaufen, das Risiko ist zu groß, ich bring ihn raus. Na wie läufts. He, wo läuft Ihr hin? Ich geh mal zu den Pferden. Ich glaub, wir fahren heut noch nach Hause. Was machst Du eigentlich noch hier? Du arbeitest öfter mit Problempferden.  Es ist günstiger, das Tier auszutauschen, als sich damit zu beschäftigen.  Was riecht denn hier so? Dein Kind hat ja gleich keine Stimme mehr. Ich mach mal ne kurze Pause, ich muss pinkeln.  He, das ist eine Überraschung, was machst Du hier? Ich pack noch schnell meinen Schulranzen.  Komm, wir machen uns ein leckeres Frühstück.

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