Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess

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der heraufziehenden Erotik der vor der Tür stehenden Pubertät auf der lichtdurchfluteten Düneninsel Terschelling vor der Küste Hollands, diese kurzfristige Leichtigkeit des Seins durchzieht den Film von Steven Wouterlood nach dem Drehbuch von Laura van Dijk nach dem Roman von Anna Woltz. 

Es ist Sams (Sonny Coops Van Utteren) ahnungsvolle Faszination durch die deutlich weiter entwickelte Tess (Josephine Arendsen), die ihn aus seinen Todesphilosophien herausreißt. Als jüngster seiner Familie überlegt er sich, dass er als letzter sterben werde und es also ratsam wäre, das Alleinsein zu üben. 

Das fängt er systematisch an, führt Tagebuch über die Stunden, die er das Alleinsein trainiert. Auch ein wunderbares Bild für den Bruch, den die Pubertät ins feste Familiengefüge reißt. Zum Üben hat er am Sandstrand ein Grab geschaufelt, damit fängt der Film an, wie er da zur Probe liegt, bis Papa (Tjebbo Gerritsma) ihn zum Ballspielen herbeiruft. 

Als nächstes fällt sein älterer Bruder Jore (Juian Ras) in die Grube, bricht sich einen Knöchel. Damit ist ein entscheidender Handlungsstrang etabliert, der für Sam Freiräume freischaufelt, denn der Papa fährt mit dem Verletzten aufs Festland. 

Derweil lernt Sam Tess kennen. Die hat andere Pläne, aber Sam ist gut darin integrierbar. Tess will nicht glauben, dass der ihr unbekannte Vater in einem Vulkan umgekommen sein soll, wie Mutter es sie glauben machen will – auch dies eine großartige Symbolik. Sie hat diesen leiblichen Vater ausfindig gemacht und ohne Wissen der Mutter auf die Insel gelockt. Er heißt Hugo (Johannes Kienast). 

Also hier Vatersuche, dort Suche nach etwas Gespürtem, aber noch Unbekannten; dabei entdeckt Sam auch noch Hille (Hans Dagelet) einen Dünen-Eremiten, der Angeschwemmtes, Fundstücke, Erinnerungen sammelt. 

Nie verbeißt sich die Geschichte auf einen Geschichtsstrang, alles wird ins Flirrende des Sommererlebnisses eingebettet, unaufdringlich ohne Penetranz geschehen die Dinge und Regisseur Steven Wouterlood lässt sie von großartigen Schauspielern unangestrengt „passieren“, so, dass es für Sam eine wunderbar seltsame Woche und für den Kinozuschauer erholsame und bereichernd leichtfüßige anderthalb Stunden des Enthobenseins der Schwerfälligkeit des Alltags werden. 

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