Die Rüden (Kinostart verschoben!)

Schmerztherapie

In ihrer opernhaft-artifiziellen, hochtheatralischen Installation präsentiert Connie Walter nach einem Konzept von Nadin Matthews eine ganz spezielle Art der Tiertherapie. 

Sie lässt junge männliche Knastinsassen mit wenig Sozialkompetenz und langen Gerichtsdossiers mit Straßenkötern, die an Verhaltensstörungen den jungen Männern in nichts nachstehen, aufeinandertreffen mit dem Ziel, einander in die Seele zu blicken, Mut und Vertrauen zu gewinnen. Es ist die Rede von einem prozessorientierten Ansatz unter Ausblendung der Backstories. 

Dazu hat Ausstatterin Katja Trambow eine richtige Kampfarena gebaut wie ein Verließ mit Beobachtungsmöglichkeiten von hoch oben. Von hier aus betrachten die Gefängnistherapeuten Sabine Winterfeldt und Robert Mehl die Experimente, die bis zur definitiven Mutprobe über mehrere Tage dauern. 

Holger Büscher hat die Darsteller in trainingspraktische Ganzkörperkleidung gesteckt, uniformhafte Arbeitskleidung, wie ein Operchor, während die Tierbändigerin Lu Feuerbach (Nadine Matthews) oft nachdenklich mit Kapuzenpulli und zigarettenrauchend für Stilleben posiert. 

Der Film setzt Rahmenimpressionen ein, die abstrakt, künstlerisch sind, seien es Tropfen aus der Brause oder der Zucker, der im Kaffee verschwindet oder Wüstendesign.

Im Abspann ist zu lesen, dass Personen und die Handlung des Films frei erfunden sind. Bei youtube ist zu erfahren, dass die Hunde keine Filmhunde seien, sondern Straßenköter aus dem Tierheim. Das kommt im Spiel durchaus gut. 

Über die jugendlichen Darsteller ist nicht viel zu erfahren, nur dass sie andere Namen haben als die Spielfiguren und dass sie eine hohe Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Während Lu Feuerbach auch im wirklichen Leben Hundetrainerin ist. Dass sie ihr Metier beherrscht, zeigen ihre oft langsamen, sehr bewusst geführten Bewegungen. Und immer den Hund im Auge. 

Die Gefängnistherapeuten scheinen das auch im wirklichen Leben zu sein. Sie spielen es aber nicht realistisch. Connie Walther inszeniert ihre Darsteller teils wie in einem Raumschiff, Star Wars, stilisiert, so wie auch das Bühnenbild ist. 

Einen ähnlichen Themenbereich behandelt die Doku Therapie für Gangster – Suchtkranke Straftäter und die Forensik.

Und wie bei einer Oper ist der Stoff in Akte eingeteilt, die sich an den Tagen der Therapie orientieren oder am „Seminar“, wie einer der Teilnehmer einmal meint. 

„Es gibt Hunde, die kann man nicht kennenlernen, ohne dass man gebissen wird.“

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