Die Liebe frisst das Leben – Tobias Gruben, seine Lieder und die Erde (Stream)

Eine Art Epitaph-Lebenslinien über den Sänger und Songschreiber Tobias Gruben, der bereits 1996 an einer Überdosis Heroin gestorben ist, es wird von einem Golden Schuss gesprochen, den er sich aus Euphorie kurz vorm großen Druchbruch gesetzt haben soll. 

Zumindest ist er eine Entdeckung für Leute, die Musik, Popmusik nur am Rande mitbekommen: seine Songs, seine Texte haben es in sich. Sie wirken brechtisch – ein Zitat von Brecht wird auch dem Film vorangesetzt – mehr auf den Text als auf die Musik gewichtet, eine Art Sprechgesang, der genauso wie die Brechtsongs gut zu konsumieren ist, eingängig. Das dürfte der Grund sein, weshalb diese immer noch von Interpreten gespielt werden und es seien noch lange nicht alle Texte gespielt worden, die er geschrieben habe. 

Auch im Film von Oliver Schwabe werden viele Songs von anderen Sängern präsentiert, aber es gibt auch viele Originalausschnitte. Im Brechtzitat am Anfang wird auf den Boden dieser Texte hingewiesen, es sei das Elend und nicht blühende Apfelbäume, das der Nährstoff des Schreibens sei. 

Bei Tobias Grube dürfte es das abgrundtiefe Misstrauensverhältnis zu seinem distanzierten Vater gewesen sein, dessen Anerkennung er nur bitterst und sehr spät und absolut unzureichend erhielt, wie ein Brief an den Sohn zeigt. Es gibt Ausschnitte aus langen Briefen des Sohnes an den Vater in Zitaten. Es ist die elaborierte Sprache eines belesenen Menschen, der die großen Klassiker dreimal gelesen hat.

Tobias Gruben kommt aus einer Gelehrtenfamilie. Sein Vater ist Archäologe, der am liebsten auf griechischen Inseln buddelt, weshalb Tobias und seine zwei älteren Brüder und die ebenfalls ältere Schwester einen Teil der Jugend in Griechenland verbringen. 

Wie der Vater, der eine Kapazität gewesen sein muss, eine Professur in Deutschland übernimmt, wird er selber depressiv und dadurch noch unerträglicher (Kopfnuss, ohne Essen ins Zimmer); der reine Terror zu Hause, die Kinder ziehen so schnell wie möglich aus. 

Oliver Schwabe lässt die Geschwister zu Wort kommen und viele von Schwabes Musikerfreunden, Bandmitglieder, Produzenten. Was nicht weiter negativ wirkt, da Grube selber, durch seine klare asketische Art, die Leute auch zu ebensolchen Äußerungen veranlasst. 

Auch ein zukunftsorientierter Film, da vermutlich noch einige von Grubens Songs auf den Markt kommen dürften und wer weiß, sich der eine oder andere zum Hit entwickeln könnte, je nach Interpreten und Interpretation. Da kann der kulturell Interessierte das einordnen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.