Dusan und Walter.
Die beiden waren Teens, wohnten wenige Meter von einander in Gusen bei Linz in den späten Zweitweltkriegsjahren. Und der eine hat dem anderen vielleicht, ohne ihn zu kennen ein Geschenk gemacht oder eine Pfahlhütte gebaut.
Der eine, Walter, war der Sohn des „Bestie“ oder „der Teufel von Gusen“ genannten SS-Hauptsturmführers und Lagerkommandanten des KZs, – später von Franz Josef Strauß begnadigt! – wohnte in einem netten Einfamilienhäuschen; der andere, Dusan, der nie den Opferstand für sich reklamierte, war Zwangsarbeiter im KZ, wenige Meter entfernt; er galt als politischer Häftling, weil er im Widerstand in Ljubljana aktiv war.
Im KZ wurden Steine gebrochen für eine Firma der SS, die prächtig damit verdiente. Ein Menschenleben galt nichts. Die wurden so richtig verheizt mit Akkordvorgaben. Nur wer mehr drauf hatte oder wie Dusan Deutsch konnte wurde bevorzugt behandelt, weil die nicht so leicht zu ersetzen waren.
Gusen 2 übertraf Gusen 1 noch an Brutalität; hier wurden Stollen in den Berg getrieben und darin Flugzeugrümpfe für Messerschmidt hergestellt.
Julia und Robert Grantner (Redaktion BR: Andrea Bräu, HR: Sabine Mieder, ORF: Andreas Novak) haben für diese eindrückliche Nazizeitaufarbeitungsdoku die beiden jetzt alten Männer aufgetrieben und befragt. Sie haben Dokumaterial beigefügt (und zeigen nicht wie so gerne in solchen Teilen ständig den bejubelten Führer); darunter auch drastische Erinnerungszeichnungen von Häftlingen. Sie werfen ein pointiert hartes Schlaglicht auf die Zeit.
Die Filmemacher konnten die Männer zu einem Treffen überreden. Prompt bringt Walter Dusan ein Buch über das KZ mit. Das ist ungefähr das, was Dusan nun grad gar nicht will, immer nur davon reden. Er sieht sich nicht als hauptamtliches Opfer, das diese Rolle sein Leben lang weiterspielt.
Allerdings traut die ARD seinen ach so mündigen Zuschauern diese erstklassige Doku nicht um die Hauptsendezeit zu; so drastisch und hart sollen die Zuschauer nicht an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges erinnert werden, schon gar nicht zu Corona-Zeiten; die ARD versteckt das Teil zu nachtschlafener Zeit kurz vor Mitternacht. Geschichtsaufarbeitung scheint nicht zum Hauptaufgabengebiet eines mit Zwangsgeldern finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu gehören; speziell einer Geschichte, die nie vergessen werden darf.