Giraffe

Ein skurril-essayistisch-philosphischer Flm aus Deutschland und Dänemark und der Versuch eines Brückenschlages, mehrdeutig interpretierbar, zuerst die Brücke, halt, der Tunnel, der zwischen Deutschland und Dänemark gebaut werden soll, aber selbstverständlich auch ein menschlich-kultureller Brückenschlag, denn um so ein Meer herum wie die Ostsee, da gibt es immer auch die verschiedensten menschlichen Beziehungen (siehe Seestück von Volker Koepp).

In den Mittelpunkt des teils fast dokumentarisch wirkenden Filmes stellt Anna Sofie Hartmann Dara (Lisa Loven Kongsli). Sie ist Deutsche aus Berlin, hat einen Freund und arbeitet unter der Woche in Dänemark, dort wo uralte Bauerngehöfte dem Tunnellbau weichen sollen. Sie ist eine Dokumentaristin, macht Protokolle mit Menschen, die ihren seit Generationen bewohnten Hof verlassen müssen oder sichtet einen Hof, der schon seit Jahren leer steht, aber noch voller Spuren der letzten Bewohner ist. 

So ergeben sich interessante Überschneidungen zwischen Heute und Gestern, was sich an einem Ort über die Zeit so abspielt; wenn Dara aus liegengebliebenen Tagebüchern vorliest und so früheres Leben wiederentstehen lässt. Das entwickelt eine eigens vibrierende Atmosphäre. 

Gleichzeitig kommt sie in Kontakt mit polnischen Bauarbeitern, die für ein Sub- oder Subsubunternehmen Glasfaserkabel für die erwarteten Tunnelarbeiterbehausungen verlegen. Mit Lucek (Jakub Gierszal) entwickelt sich ein sprödes Liebesverhältnis, obwohl beide zuhause jemanden haben und sie doch deutlich älter ist als er. 

Gespräche unter den polnischen Gastarbeitern werfen ein Licht auf deren Situation, vor allem scheint es mit der Lohnzahlung nicht so einfach und sauber. 

In manchen Momenten denkt man an Über die Unendlichkeit von Roy Andersson; es ist dieser Blick auf die Dinge aus erhöhter Warte. Vielleicht ist damit der Titel gemeint. Die ersten Bilder des Filmes zeigen Giraffen, wie sie beobachtend schauen. Das ist ihr einziger Auftritt in dem Film. Das wäre die Parallele zu dem Ehepaar, was in Anderssons Film auf die Stadt hinunter schaut. Orte und Erinnerungen und die Frage, ob man weiß, wer der andere sei. 

Der Film spielt oft auch auf der Fähre in ruhigem Dahingleiten vorm weiten Horizont der Ostsee. 

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