Als wir tanzten

Skandal

hat dieser Film des georgienstämmigen Schweden Levan Akin bei seiner Premiere in Tiflis und in Butami in Georgien gemacht. 

Dem gediegenen Pressefolder ist zu entnehmen: „Die 5′ 000 verfügbaren Tickets für die Vorführungen in 5 Kinos in der georgischen Hauptstadt Tiflis und der zweitgrößten Stadt Batumi am Schwarzen Meer waren innerhalb von 13 Minuten ausverkauft – und das obwohl die Georgische Orthodoxe Kirche sowie einige rechtsextreme Gruppen den Film bereits im Vorfeld der Premiere öffentlich verurteilt und angekündigt hatten, die Kinobesucher*innen vom Eintritt in den Kinosaal abhalten zu wollen.“ … 

„Am Tag der nationalen Uraufführung versammelten sich in Tiflis bereits Stunden vor Filmbeginn hunderte nationalistische und orthodoxe Protestler, darunter auch einige Priester. Sie hielten homofeindliche Reden, verbrannten eine Regenbogenflagge und zeigten Plakate wie ‚Stoppt LGBT-Propaganda in Georgien‘ und ‚Homosexualität ist Sünde und Krankheit’“. 

Ferner heißt es, es sei zu Randalen zwischen Polizei, Feuerwerks- und Eierwerfern, Protestlern gekommen, zu Festnahmen, Einlieferungen in Krankenhäuser.

Dabei ist der Film für unsere Verhältnisse doch kaum mehr als eine nette, harmlose, georgische Gay-Tänzer-Schmonzette, schön flüssig mit leichter Kamera der Reihe nach erzählt. 

Hauptfigur ist der Tänzer Merah (Levan Gelbakhiani), jung, zart, bildhübsch. Er ist Student am georgischen Nationalballett und stammt aus einer Tänzerfamilie. Auch sein Bruder ist mit ihm Tanzstudent, der ist aber kein Musterschüler und verfolgt andere Interessen. 

In die Ballettgruppe kommt ein Neuer: Irakli (Bachi Valishvili). Erst wirkt er als Konkurrent für Merah; es steht ein Vortanzen für die Profigruppe an. Nach einigem Vorgeplänkel und Vorschützen von Freundinnen verlieben sich die beiden. Bei einem großen Hochzeitsfest auf dem Lande schnackelts. 

Das muss geheim bleiben. Kann es aber nicht. Das darf weder in der Tradition noch am Tanzinstitut sein. Denn der georgische Nationaltanz, den sie üben, sei ein ganz männlicher, durch und durch, doziert der Professor. 

So viel darf verraten werden: es wird keine schwule Hochzeit geben; denn das ist offenbar in dem rückständigen Georgien noch nicht möglich. 

Der Westen feiert diesen Film und seine Darsteller dank georgischem Minderheitenbonus groß (Berlinale Shooting Star; Nominierung für europäischen Filmpreis); da fühlt man sich doch extrem fortschrittlich angesichts solcher Homophobie – die leider bei uns wieder an Boden gewinnt, parallel zur Rückkehr zu traditionellen Familienbildern und Rückgang des Frauenanteils im Bundestag; Gönnerhaftigkeit scheint mir keine angemessene Reaktion zu sein auf diesen an sich schönen Film. 

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