Doppelt grotesk.
Diese Fernsehdokumentation von Ursula Hochreiter unter der redaktionellen Freigabe von Helga Freund wirkt doppelt grotesk, wenn man sie in der Corona-Quarantäne sichtet.
Und auch doppelt daneben. Denn vermutlich in etwa zum Zeitpunkt der geplanten Ausstrahlung dieses Gefälligkeits-PR-Filmchens für je ein Eisdiele in Kempten und Landshut mit einem kurzen Werbeeinblender für den Brotzeitteller einer Alpe sollte der Eisbetrieb in den deutschen Eisdielen wieder aufgenommen werden, um Ostern rum dürfte die Winterpause zu Ende sein. Alles wunderbar kalkuliert: ein Werbefilm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zur Saisoneröffnung. Besser geht nicht. Und billiger auch nicht. Der Zwangsgebührenzahler blecht für die Werbung.
Wenn denn nicht Corona dazwischen gekommen wäre. Das ist als ob eine kompliziert geplante Werbekampagne eine Bauchlandung erleidet. Was nützt die schönste Fernsehwerbung für eine Eisdiele – und über die Grenzen eines reinen Image-Filmes geht dieses „Bayern erleben“-Teil nicht hinaus – wenn die Eisdiele nicht aufmachen darf (oder nur mit Thekenverkauf). Pech gehabt mit der ganzen Trickserei.
Das ist das eine, was diese Veranstaltung so grotesk macht. Sie wird es aber auch dadurch, dass die Corona-Situation bewirkt, dass man sich vorkommt, als ob man Einblick in eine längst vergangene Zeit bekommt, in eine Zeit, als das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch ein starker Pfründenfunk war; wenn ein Dokumentarist oder eine Dokumentaristin selbst einen von einer dieser Eisdielen kennt, oder jemanden kennt der, und die alle fänden es super, wenn da mal im Fernsehen was gemacht würde darüber – da muss halt dann aus Gründen des Werbeverbotes noch eine zweite Eisdiele rein, eine Zeit, in der solcher Missbrauch des zu Lasten einkommensschwacher Haushalte unfair zwangsfinanzierten Rundfunkes eine totale Selbstverständlichkeit war, eine Zeit, in der dieser Rundfunk zwar eine halbe Milliarde an Zwangsgebühren nicht abruft, aber um eine Erhöhung der ungerechten Haushaltzwangsgebühr bittet und bettelt, eine Zeit, in der auch solche nicht sonderlich begabten Dokus ohne weitere Diskussion gedreht, bezahlt und gesendet wurden – und jetzt zu sehen, wie solche durch die Zeitenläufte brutal ins Leere katapultiert werden, das ist schon sehr, sehr grotesk.
Denn eine Folge von Corona dürfte durchaus auch sein, dass die Selbstverständlichkeit, mit der dieser luxuriösest und komfortabelst ausgestattete öffentlich-rechtliche Rundfunk immer mehr für sich fordert und sich immer bequemer und unter Verweigerung von Wettbewerb in diesem stolzen 9-Milliarden-Zwangsgebühren-Haufen einnistet, keine Selbstverständlichkeit mehr sein wird, dass nicht mehr einfach so Gelder für Dokumentationen locker gemacht werden, die den Begriff nicht wert sind, die schnelle und billige Gefälligkeitsfilme für Geschäfte sind, auch wenn Eis der billigste Luxus ist; aber wenn die ihr Eis mit so viel Süße überdecken würden, wie Ursula Hochreiter die Musikspur ihres nicht sonderlich begabten Bilderverschnittes, so würde sie wohl nicht eine einzige Kugel an den Mann bringen, weder in Landshut noch in Kempten (es ist auch schwach von der vorgeblichen Dokumentaristin, dass sie einen ihrer Protagonisten, wie er die deutsche Wendung für „sich auf den Lorbeeren ausruhen“ sucht, nicht hilft, sondern ihn auflaufen lässt, das macht man einfach nicht).
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!