Wir Eltern

Charmante Familienlektion

Entropie

ist das Maß der Unordnung, zu welchem eine Familie mit Vater, Mutter, 20-jährigen Zwillingen und einem elfjährigen Nachzügler fähig ist oder eine amüsante Familienaufstellung als Fiktion am Rande zur Dokumentation, insofern als die Akademikerfamilie Kamber-Gruber, um die es im Film von Eric Bergkaut und Ruth Schweikert geht, überwiegend aus Mitgliedern der Familie des Dokumentaristen Eric Bergkraut besteht: er selbst spielt den Vater, Elia den Sohn Anton, Ruben den Sohn Romeo und Orell den Sohn Benji; einzig die Mutter, die Physiklehrerin ist, wird unprätentiös dargestellt von Elisabeth Niederer, während die echte Mutter Ruth Schweikert bei Drehbuch und Regie mitgearbeitet hat. 

Als Originalfiguren treten ferner auf: der Familientherapeut Henri Guttmann (Mangel der Jugend sei, dass sie keinen Mangel kenne), die Gesellschaftsjournalistin Michèle Binswanger (Familie brauche einen Leitwolf) und der Schweizer Kinderarzt Remo Largo (Die Kleinfamilie sei heute hoffnungslos überfordert). Diese Fachleute kommentieren die Probleme der Familie oder führen ein Kapitel ein. 

Bergkraut blickt in diese Überforderung und diese Leitwolflosigkeit und diesen Mangel an Mangel der Familie Kamber-Gruber hinein zum Zeitpunkt des 20. Geburtstags der Zwillinge Anton und Romeo. 

Anton soll noch das Abitur machen, hat aber keine Lust. Überhaupt benehmen sich die beiden erwachsenen Söhne voll verwöhnt. Keiner würde je einen Finger im Haushalt rühren, und dann macht es doch die Mutter oder der Vater. Die Eltern haben Mühe mit der Konsequenz; drohen diese immer wieder an, ohne darnach zu handeln. 

Mutter versucht es mit einer Strichliste und bei 30 Fehlern würden die, die sie machen, aus der Wohnung fliegen. Und selbst wenn es soweit ist, gibt es noch eine Gnadenfrist und Mutter kümmert sich darum, für den Sohn ein WG-Zimmer zu finden. 

Unabhängig voneinander wollen beide, Vater wie auch Mutter, Anton die Abiturarbeit vorbereiten. 

Die Betüdelung geht weit und die leeren Pizzakartons stapeln sich, die Eltern überfordern sich selbst. Vater versucht es mit Ayurveda und Mutter mit craniosacraler Therapie. Es ist ein fortschrittliches Schweizer Ehepaar. Sie pflegen regelmäßige Aussprachen, jeder soll dem anderen direkt immer eine Minute lange seine Befindlichkeit, seine Wünsche und Sehnsüchte ins Auge sagen. Nur wird die Situation mit den Söhnen nicht besser. 

Bei Anton nistet sich sogar eine Freundin ein. Opa beschenkt die Zwillinge zum Geburtstag mit viel Geld und monologisiert über Freiheit und Verantwortung. Hilft alles nichts, bis sich Vero, wie die Mutter abgekürzt genannt wird und Michi, der Vater, doch noch etwas ganz Besonderes einfallen lassen, darauf muss man erst mal kommen, um die Söhne in die Verantwortung zu schubsen. 

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