Alle wollen Igor.
Igor (Gaspard Ulliel) ist ein attraktiver Mann wie frisch aus dem Rasierwasserbad gezogen. Schauspielerin Margot (Adèle Exarchopoulos) erwartet ein Kind von ihm. Er ist aber bereits mit Mika (Sandar Hüller), der Regisseurin seines nächsten Filmes, zugange. Margot lässt sich von Sibyl (Therapeutin und Romanautorin) beraten, sie weiß nicht, soll sie abtreiben oder nicht, diese Entscheidung geht in Bächen von Tränen unter.
Sibyl ist verheiratet, glücklich oder nicht, ist eine andere Frage, sie hat süße Kids und einen Mann. Sie hat ihren Patienten gekündigt, die bei ihr Therapiesitzungen nehmen, um sich voll und ganz dem Romanschreiben zu widmen.
Margot fasst Vertrauen zu Sibyl und möchte, dass sie beim Dreh dabei ist als seelische Unterstützung, muss sie doch am Set die Liaison zwischen dem Vater ihres werdenden Kindes und der deutschen Regisseurin aushalten.
Um diese pikante Situation zuzuspitzen, lässt Justine Triet (Victoria – Männer und andere Missgeschicke), Drehbuch und Regie, den Film am Fuße des schwarzen und glühenden Stromboli in Italien spielen.
Da gibt es auf schwarzem Vulkanboden eine wunderbare Ohrfeigenszene zwischen Margot und Igor zu spielen, das kostet Justine Triet genüsslich aus, indem sie den Take immer und immer wieder wiederholen lässt oder später, auf einer edlen Yacht, eine gewollt-ungewollte Liebesszene zwischen den beiden.
Da Sibyl jetzt dabei ist, entgeht auch sie den Reizen von Igor nicht.
So weit ist der Stoff recht einfach gestrickt, groschenromanhaft, aber Triet lässt das in gediegenem Ambiente von wundervollen Schauspielern spielen, gibt dem Film besonders anfangs mit schnell hingehuschten, essayistischen Szenen einen akademischen Touch und die Deutsche Sandra Hüller passt wunderbar in dieses Produkt aus der französischen Filmkultur hinein, herrlich ist sie mit ihrem Französisch und Englisch und erst recht, wenn sie schier die Nerven verliert, weil ihr aktueller Lover so strange seine Ex-Freundin und ihre eigene Vorgängerin küssen soll.
Und klar: die Filmerfahrung fließt ungefiltert oder gefiltert in den entstehenden Roman von Sibyl ein. Am Ende hätte der Film allerdings eine Straffung vertragen.