Das Haus der guten Geister

Ansteckender Geist.

Über ein enthusasmierendes Beispiel bürgerlicher Kultur.

Jossi Wieler ist von Natur aus ein eher schüchterner Mensch, ein bescheidener Mensch, er liebt nicht den großen Auftritt. Trotzdem war er jahrelang der Boss der Staatsoper Stuttgart. Aber er hat den Betrieb nicht von oben herab mit der Allmacht eines Herrschers, eines Dompteurs in Schuss gehalten. Er sieht sich eher in der Mitte eines Teams, das seine Kreativität zusammen in eine Produktion einbringt; er sieht das Theater als einen utopischen Ort kollektiven Zuhörens und Aufeinanderzugehens. 

Wieler lehnt das internationale Opern-Jetset-Star-Getue ab. Ensemble ist sein Stichwort. Mit Anna Viebrock, Sergio Morabito und Sylvain Cambreling arbeitet er als Kernteam zusammen und steckt den Rest des Ensembles an und provoziert deren Kreativität. 

Auch die Dokumentaristen Marcus Richardt und Lillian Rosa haben sich von Wielers Team- und Operngeist infizieren lassen und transportieren den so enthusiasmiert, dass man selbst am liebsten mittun würde. 

Richardt und Rosa begleiten die Vorbereitungen zur Premiere von Tschaikowskys Pique Dame von der ersten Besprechung aller Beteiligten über die vielfältigen Einzelschritte von Herstellung des gewaltigen Bühnenbildes, der Kostüme, der Proben von Chor, Kinderchor, Orchester, Solisten bis zu den Endproben und der Premiere. 

Ein Wermutstropfen in der Geschichte ist die Info, dass Hausregisseur Kirill Serebrennikov unter dem fadenscheinigen Vorwand der Hinterziehung von Geldern in Russland ins Gefängis geworfen und in einem Käfig den Medien vorgeführt wurde wie ein Schwerverbrecher. Er sollte als nächstes Hänsel und Gretel in Stuttgart inszenieren. 

Der Film bringt nach der Premiere von Pique Dame einen Kurzabriss durch die Inszenierung, das ist purer Genuss. 

Es folgt ein Nachspiel zur Sache Serebrennikov, der immer noch im Gefängnis sitzt, weil er der russischen Obrigkeit nicht genehm ist, und zeigt die Reaktion der Staatsoper Stuttgart, die damit plötzlich in die Schweren Wasser der Weltpolitik gerät, der globalen Auseinandersetzung um die Freiheit der Kunst. Eine Dokumentation, für die das Kino der richtige Ort ist. (Auch die Schäbigkeit der russischen Politik im Umgang mit Serebrennikov verdient es, groß und laut auf der Leinwand bekannt gemacht zu werden!). 

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