Body of Truth

Doku-Billigrezept

Man nehme vier international anerkannte, aus Selbstvermarktungsgründen bereitwillig Selbstauskünfte erteilende Künstlerinnen (Marina Abramovic, Sigalit Landau, Shirin Neshat, Katharina Sieverding), frage sie an, ob sie Interesse hätten als Protagonistinnen einer Doku über sich selber mitzumachen und wende sich mit der zu 99-prozentiger Sicherheit zu erwartenden positiven Antwort und dem entsprechenden Letter of Intent an begabte Fernsehredakteure wie Urs Augsburger, Sven Wälti, Sandra Roth, Anita Hugi oder Edit Pinkas, die Zwangsgebührengelder nach Gusto ausgeben dürfen, und schon bekommen sie Hitzewallungen allein bei der Nennung der prominenten Protagonistinnen, und dass es Frauen sind erst recht, und sie öffnen die Schleusen ihres Zwangsgebührentankes für Evelyn Schels, die schon mit dem Film über Georg Baselitz gezeigt hat, dass sie ihr Talent noch nicht gefunden hat ( stefe : „ohne Spannungsfaden aneinandergereiht ist es im Kino eher unerquicklich und sogar ermüdend, ein typischer TV-Verzopferei-Murks“). 

Die Filmemacherin scheint sich nicht weiterentwickelt zu haben. Sie wanzt sich an die Promis ran, besucht sie in ihren Ateliers, darf altes Material von ihnen zeigen. Alles ohne Plan, ohne Geschichte. 

Mit dem Baselitz-Film hat Schels schon gezeigt, dass sie Langweilig-Doku kann. Warum aber jetzt Zwangsgbührentreuhänder wie die oben erwähnten ihr wieder Geld für einen weiteren Beweis an Doku-Unfähigkeit zukommen lassen sollen, bleibt rätselhaft. Vielleicht sind Beziehungsgeflechte zu den Redaktionen das Entscheidende.

Für die porträtierten Künstlerinnen ist es eher peinlich, in so einen 96-Minuten-Brei hineingequetscht zu werden. Aber wahrscheinlich kalkulieren die knallhart eh nur mit dem PR-Wert für die Selbstvermarktung. 

Der Film gibt zu seiner eigenen Peinlichkeit Kinoambition vor. Spät um 23 Uhr oder 01.00 Uhr im Fernsehen versendet, interessiert das kein Schwein, aber im Kino gezeigt, fallen die eklatanten Mängel an Dokumentationshandewerk ernorm auf. Und Kinos, die den Film in ihr Programm aufnehmen, dürften den nicht zu erwartenden Ansturm ohne weiteres meistern. Wünschenswert wären aufschlussreiche Dokus über diese bemerkenswerten und erstklassigen Künstlerinnen, aber sicher keine Subventionsdokus, bei denen es auf die Kinoqualiät ganz offensichtlich nicht ankommt. Promischleimspurdoku (es gibt nicht eine einzige kritische Frage). 

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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