Pause

Nichts Besorgniserregendes

das ist der Befund des Arztes nach Aufzählung aller möglichen Symptome der einsetzenden Menopause einer Frau: Trockenheit der Vagina, Hitzewallungen, Mangel an sexuellem Verlangen, Verlust oder Ausetzer des Gedächtnisses, Stimmungsschwankungen, Erschöpfungszustände, Ausdünnung der Haare, Brüchigkeit der Nägel, Nachtschweiß, unruhiger Schlaf, mit oder auch ohne Nachtschweiß, Überempfindlichkeit, Zahnfleischentzündung, geistige Verwirrung, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwindel, Inkontinenz, Völlegefühl, Gewichtszunahme, Allergien, Mundgeruch, Blutungen, Depressionen, Angstzustände, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Juckreiz, gastrointestinale Störungen, Verdauungssstörungen, Muskelsteifheit, Schmerzen in der Brust, schmerzende Gelenke, Panikattacken, unregelmäßige Periode, trockene Augen, akute Empfindsamkeit, Osteoporose. 

Diese trocken lakonisch von einem Arzt vorgetragenen Nebenwirkungen hören sich an wie ein dadistischer Prolog und zeigen den nicht ganz schalklosen Zugriff von Tonia Mishiali, die mit Anna Fotadou auch das Drehbuch geschrieben hat, auf das Titelthema der Pause, der Menopause, um in den folgenden anderthalb Stunden zu zeigen, dass die Problematik wohl eher anders gelagert sein dürfte; dass das Zwischenmenschliche in einer langen Ehe entscheidender sein dürfte. 

Elpida (Stella Firogeni), die auch Hope gerufen wird, ist verheiratet mit Costas (Andreas Vasileiou). Sie wohnen in einem Wohnblock. Beide haben ein Auto. Sie malt. Er denkt an die Rente und hortet in seinem Werzeugkasten Geld. Die Ehe ist ungefähr so, dass erst der Eindruck entsteht, eine hingebungsvolle Tochter sorgt für ihren Vater. Beide haben ihren eigenen Fernseher. Er schaut Sport und sie parallel mit Kopfhörern Actionfilme. Auf dem Balkon zwitschert ein Vogel in einem Käfig. 

Es gibt eine Tochter und eine Enkelin. Aber Costas findet, es reiche, wenn seine Frau mit denen kommuniziert. 

In betrachterfreundlichem Breitformat, das immer auch geometrische Linien als Rahmen einsetzt, schildert Mishiali den Alltag dieser Frau, wie ihr Mann sie demütigt, indem er ihr Auto verkauft, wodurch ihr Leben viel schwieriger wird, Kontakt mit einer Nachbarin, die ein kleines Kind hat, und einen grotesken Auftritt nach einer Schönheits-OP, erotische Fantasien mit einem Maler (Anstreicher), Ausbruchsfantasien und Ausbruchsversuche, Malkurs. 

Über die Ehe der beiden kann es einem jedoch kalt den Rücken runterlaufen, erträglich gemacht durch die ruhige, momentweise fast stillebenhafte Bildgestaltung und das helle Licht des Mittelmeeraumes, schätzungsweise Zyperns. 

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