Master of Disaster

Der Film zum Virus!

Eher schlecht präpariert (auch auf Corona!) scheint die Welt auf die diversen möglichen Katastrophen, die mit dem Klimawandel, mit Migrationsbewegungen und dem Terorrismus zusammhängen, wie auch mit der rasanten, nicht nachhaltigen, technologisch-wirtschaftlichen Entwicklung. 

Jürgen Brügger und Jörg Hassengier wollen mit ihrer Dokumentation über verschiedene Player der Katastrophenanalyse und -prävention nicht Angst machen. Sie lassen vielmehr sich und damit auch den Zuschauer, faszinieren durch einen Überblick über eine Vielfalt von Vorbeugungsaktivitäten und Katastrophenszenarienplanungen, wie sie dem Normalsterblichen eher nicht präsent sind. 

Der Film gewinn an Aktualität durch das Corona-Virus; es kommt das Zitat drin vor, lange vor dem Corona-Ausbruch, dass die Welt auch mit neuen Viren rechnen müsse, die sich in wenigen Monaten um den ganzen Globus verbreiten. Just damit scheint da und dort die Politik überfordert. 

Es überwiegt in diesem magazinhaften, TV-gerechten Film das Skurrile. Anfangs ist man nicht sicher, ob man sich in einer satirischen Sendung befindet, wenn Prof. Schmidtchen und Dr. Borries vom Institut für Sicherheitsstudien durchs Ruhrgebiet spazieren und sich Szenarien ausdenken, was durch eine Verkettung unglücklicher Umstände alles passieren könnte. 

Schmidtchen und Borries sehen eine Wohngegend, eine Landschaft völlig anders als unsereins. Sie haben beide militärischen Hintergrund. Es sind Typen, die sich mit dem Rücken zur Wand in eine Kneipe setzen, immer einen Fluchtweg im Auge. Sie testen ein Umspannwerk auf seine Sicherheitsvorkehrungen, ein Wasserreservoir und werweißen, wie leicht es wäre, die ganze Wasserversorgung lahmzulegen durch Vergiftung beispielsweise. Es sind Typen, die in Worst-Case-Szenarien denken. Daher beziehen sie auch ihre Erfolgserlebnisse. 

Ein besonderer Boden für Skurrilität scheint die Schweiz zu sein mit ihrem Swiss Fort Knox, einem Datenkopietresorraum 800 Meter tief in einen Berg gebaut oder mit dem Thinktank bei Swiss Re, der mögliche Risiken als Rohstoffe evaluiert; da geht es um einen riesigen unterirdischen See in den USA, der Milliarden von Tonnen von CO2 speichert; was, wenn das freigesetzt würde? 

Die Dokumentaristen begleiten Katastrophenschutzübungen, Einsatzbesprechungen, das Präparieren von simulierten Verletzten; sie begeben sich zu allerlei Forschungs- und Wissenschaftsstellen, solche die Telefonumfragen zur Katastrophenprävention durchführen oder sich wie das Robert Koch Institut in Hochsicherheitslaboratorien um extrem gefährliche Biostoffe kümmert. 

Corona zeigt uns, in welch anfälliger Welt wir leben und Brügger und Haassengier zeigen uns, dass die Menschheit vielfältig vorzusorgen versucht, dass es aber auch genügend Stoff für Apokalyptiker gibt, andererseits, dass kein Grund zu Panik besteht. 

Kannten Sie schon das Mausefallen-Experiment von Jan Richter?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.