Der letzte Mieter (Kinostart auf Sommer verschoben)

Ein nicht mal unalltäglicher Vorgang. 

Alptraum Entmietung.

Das waren von Gregor Erler für seinen ersten Langfilm keine schlechten Überlegungen: klassischerweise sich auf einen Ort, eine Handlung und einen Zeitraum zu beschränken. 

Auch über eine Zwangsräumung lässt sich ein spannender Film machen, gerade wenn man es nicht TV-alltagsrealistisch vorhat, sondern sich nicht scheut, Elemente des Drastischen an der Grenze zur Farce, des Thrillers und gar des Katastrophenfilmes zu verwenden. 

Auch zeigt Erler, dass dadurch ein Film bei dem vermutlich nicht überbordenden Budget nach deutlich mehr aussehen kann, wenn man die filmischen Mittel von Licht, Flexibilität der Kamera von Handkamera bis zur Drohne, Ausstattung (so und nicht anders sehen Entmietungsmiethäuser aus, so runtergekommen!), einer guten Auswahl an Schauspielern inklusive deren Führung, dann noch geschickte Montage und entsprechende Musik (die vielleicht diesen dünnen scharfen Ton, der eine ebensolche Wendung ankündigen will etwas zu oft einsetzt) geschickt, wohldosiert und clever einsetzt. 

Dietmar Heine (Wolfgang Packhäuser) soll als einer der letzten Mieter eines zum Abriss bestimmten Mietshauses zwangsgeräumt werden. Er aber verschanzt sich in seiner Wohnung. Im Keller hat er eine explosive Intallation vorbereitet. 

Sein Sohn Tobias (Matthias Ziesing), Spengler, schaut bei ihm vorbei und gerät mitten in die Zwangsgräumungsaktion. Der Sohn der Immobilienhaiin Görgens (Mignon Remé) mit der Firma Immolux, die auf Luxussanierungen spezialisiert ist, ist auch in der Wohnung. Mark (Moritz Heidelbach) soll den Vater dazu bewegen, freiwillig zu gehen. 

Es gibt ein Gewehr in der Wohnung. Es folgt noch die Polizstin Shirin Kämper (Pega Ferydoni); sie hat ihre Dienstwaffe bei sich. Das Drama kann sich entwickeln, es gibt Handschellen, Handys, Polizei-Walkie-Talkies, Wärmebildkameras, Scharfschützen auf gegenüberliegenden Dächern, eine Sneakcam, die die Polizei in die Wohnung unter ein Bett zu schieben versteht, es gibt die Kamera, mit der der alte Mieter seine Auseinandersetzung mit dem Immobilientyp aufgenommen hat. 

All das setzt Erler ein, um daraus ein Bildmaterial zu gewinnen, das oft den Vergleich mit internationalen Thriller-Hochglanzprodukten nicht zu scheuen braucht. Warum der Wirkbereich des Filmes aber voraussichtlich doch übersichtlich bleiben dürfte, mag einmal mehr am Buch liegen. Es gibt keine Figur, zu der man Sympathie entwickelt, sie sind allein der Mechanik der Action untergeordnet. Daher taucht gerade anfangs zu oft die Frage auf, was das hier solle, was wer hier wolle. 

Der Protagonist Tobias wird anfangs mit einem flott ineinerandergeschnittenen, fragmentarischen Bilderbogen von seiner Arbeit, seiner Fahrt durch Berlin vorgestellt, rein äußerlich mit einer Berufsinfo, mit nichts, woran der Zuschauer mit seinem persönlichen Interesse andocken könnte, nicht mit einem Problem, nicht protagonistenlike. So bleibt der Film zumindest eine äußerst gelungene Fingerübung im Genre des Thrillers, des Entmietungsthrillers. 

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