Lebenslinien: Jimmy Hartwig – Euch werd ich’s zeigen (BR, Montag, 23. März, 22.00 Uhr)

Rassismus in Deutschland.

Er hat den Rassismus in Deutschland am eigenen Leib erlebt, weil seine Hautfarbe dunkel statt weiß ist, weil sein Vater ein GI war und seine Mutter eine Deutsche: Jimmy Hartwig. 

Jimmy Hartwig wächst in Offenbach auf in ärmlichen Verhältnissen, keine richtige Familie, er läuft einfach mit. Fußball ist dank seinem Talent für ihn eine Offenbarung, bald schon Ersatz für alles, was er bislang entbehrt hat: Anerkennung, Zuneigung, Zärtlichkeit, Beachtung. 

Vorher schon hat Jimmy als Klassenclown versucht, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Das hat seinen Humor geschult, den er nie verloren hat, wie beschissen auch das Leben mit ihm umgegangen ist: Fußballstar mit einem Einkommen, worüber er heute noch ungläubig berichtet, Absturz, Drogen, Krebs, Ruin, Orientierungslosigkeit, Ehen, die nicht halten. 

Aber immer wieder derrappelt er sich. Ein enormer Wille gepaart mit Bescheidenheit und einem hellen Geist, wodurch er auch ein spannender Erzähler ist. 

Hartwig hat dem Münchner Fussballclub 1860 damals geholfen, in die erste Bundesliga aufzusteigen. Es gibt hier in der Dokumentation von Stefan Panzner unter der BR-Redaktion von Christian von Hahn köstliche Bilder aus dem Grünwalder-Stadion, dessen Rasen einer grünen Schlammwüste gleicht. 

Heute arbeitet Hatwig als Intergrationsbotschafter beim Deutschen Fußballbund. Er weiß, wovon er berichtet, er weiß, was in den Flüchtlingskindern aus Syrien oder dem Irak vor sich geht; er kann ihnen helfen, damit umzugehen. 

Jimmy hat seine Liebe gefunden, auch das nach einem langen Prozess mit 9 Jahren Vorlaufzeit, hat eine Tochter, ein Haus am Ammersee und wohl kaum ein Mensch hat in den Lebenslinien je so glücklich über seine eigene Familie erzählt wie Jimmy Hartwig. 

Anfangs muss Hartwig sich richtig überwinden, an den Ort seiner Schmerzen zurückzureisen; Panzner stellt den Menschen; in den Kontext seiner Konflikte; das macht den Film so wertvoll, das macht diese Lebenslinien so sehenswert im Gegensatz zu peinlich-plumpen PR-Sausen wie beispielsweise bei Neureuthers.

Inzwischen spielt Jimmy Hartwig sogar Theater. 

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