Jean Paul Gaultier: Freak and Chic

Atemlose Hast der Modebranche

Der berühmte französische Modeschöpfer Jean Paul Gaultier will in den Folies Bergère ein Spektakel der besonderen Art aufführen, was die Dimension der üblichen Modeshows für die Kollektionen weit sprengt: eine Revue, die mit irrem Aufwand sein Leben erzählt vom Allein-Buben, der lieber Puppen gehabt hätte, aber nur einen Teddy bekam, dem er aus Papier Brüste annähte, zum Schüler in der Volksschule, der lieber zeichnete, bis zum jungen Mann und seiner Liebe zu Francis, bis zu dessen Tod. 

Yann L‘ Hénoret hat den Modeschöpfer von den Vorbereitungen der Show bis zur Premiere begleitet. Ihn muss die hektische Atmosphäre in der Modebranche angesteckt haben. Er ließ sich von ihr berauschen und macht seine Dokumentation zum ellenlangen, atemlosen Videoclip, der Angst hat, länger als den Bruchteil einer Sekunde an einem Objekt hängen zu bleiben. 

Der Dokumentarist lässt Gaultier und Mitarbeiter erzählen. Er stellt diese vor, auch viele der Akteure, Tänzer, Models, Sänger. 

Der Film wird so zum riesigen, unruhigen Wimmelbild der Modewelt. Und immer wieder sind Informationen eingestreut, die Stationen aus dem Lebensweg von Gautier erzählen, durchaus auch Charakteristika, dass er „Freaks“ mag, alles was aus der Reihe tanzt, was nach Anomalie aussieht. 

Der Film erweckt den Eindruck von enormer Rastlosigkeit, von nie Innehalten, von durchgehendem Zeitdruck. Das stimmt auch, statt zwei bis drei Durchläufe vor der Premiere von „Show Freaks“ hat es aus Zeitmangel nur zu einem gereicht. Und klar: die Kostüme für die Tänzer, die nach heftigen Choreographien agieren, müssen stabiler genäht sein als die für die Kollektionsshows, die von Models vorgeführt werden. 

Unwerfend ist der schier unerschöpfliche Einfallsreichtum des Modeschöpfers für Figuren, Szenen und Kostüme. Und sollte die Montage irgendwo nicht dicht genug geworden sein, so hat sie viel Füllstoff an Blabla, den die Protagonisten absondern. Mir persönlich scheint das fürs Kino des Hektischen zuviel, aber wer die Modebranche liebt, der muss aufpassen, dass er sich nicht verschluckt.

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