Der Fall Richard Jewell

Falscher Verdacht (oder: Staatsirrtum)

Clint Eastwood führt die Regie mit seiner schnörkellos-geschmeidigen Handschrift nach dem Drehbuch von Billy Ray, der sich von einem Artikel von Marie Brenner hat inspirieren lassen. Eastwood selbser spielt nicht mit. 

Der Film hat insofern Relevanz für Deutschland als es um fehlgeleiteten staatlichen Verdacht bei der Suche nach einem terroristischen Anschlag geht. In Deutschland waren es die staatlichen Behörden, die den Opfern der NSU-Anschläge jahrelang das Leben schwer gemacht hatten. 

Hier in Atlanta ist die Situation etwas anders. Richard Jewell (Paul Walter Hauser) wird vorgestellt als ein frustrierter Muttersohn, übergewichtig, blöd behandelt von Kollegen, voller Minderwertigkeitsgefühle und Geltungsdrang und dem Traum, ein echter Polizist zu sein. 

Das wird deutlich bei einem Security-Job in einem Internat. Jewell dringt unrechtmäßig in die Studentenbuden ein, um Dinge zu finden, die nicht der Ordnung entsprechen, zB Alkohol. Überhaupt nimmt er die Begrenzungen seiner Kompetenz nicht allzu wörtlich, agiert auch außerhalb des Areals des Internats. 

Wie der Reklamationen über ihn zu viele werden, verliert er diesen Job. Das Drehbuch, Besetzung und Regie tun als alles, um Jewell schnell und offensichtlich verdächtig erscheinen zu lassen; auch ist er ein Waffennarr, liebt Schießübungen und trifft hervorragend. 

Jewell lebt mit seiner ihn betüdelnden Mutter zusammen in einem großzügigen Wohnhaus. 

Wie Jewell Wachdienst im Centennial Park in Atlanta schiebt, entdeckt er rechtzeitig eine Bombe und kann durch seinen Alarm jede Menge Menschenleben retten. Er wird sofort als großer Held gefeiert, wird zum Medienstar. 

Doch bald keimt mangels Fahndungserfolg beim FBI der Verdacht, der Alarmierer sei auch der Täter: ein häufig zu beobachtendes Phänomen. Die Journalistin Kathy Scruggs (Olivia Wilde) entlockt bei einem Date einem Polizisten diese Fährte und verhilft damit ihrer Zeitung zu einem Scoop. 

Der Film schildert dies und wie es weitergeht penibel protokollhaft in aller Ausführlichkeit mit dem hehren Anspruch von Clint Eastwood, seiner Meinung eine glaubwürdige Fundierung zu bauen, dass man eben nicht nur sich vor Terroristen in Acht nehmen soll, sondern fast mehr noch vor einer übereifrigen Staatsmacht; eine leise staatsbürgerliche Lektion in der bekannt feinen Regiehandschrift von Clint Eastwood. 

Im Film selbst kommt in Richtung Lösung des Problem der Anwalt Watson Bryant (Sam Rockwell) ins Spiel, mit dem Lewell ein weit zurückliegendes Ereignis verbindet und, das ihn verpflichtet. 

Der Satz von der Angst, die vorm Staat größer sei als die vor Terrorismus, kommt an einer Stelle gut sichtbar an eine Wand geheftet vor: ich fürchte den Staat mehr als den Terrorismus.

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