Chichinette – wie ich zufällig Spionin wurde

Bewegen Sie sich

so viel wie möglich – im Feindesland. Das war der Spionageauftrag von Chichinette, wie Marthe Cohn vom Geheimdienst der französischen Armee genannt wurde, kleine Nervensäge, weil sie immer so neugierig war und viel wissen wollte, wie sie schmunzelnd erzählt, zur Zeit der Dreharbeiten dieses Filmes von Nicole Alice Hens 96 Jahre alt. 

Erst auf Anfrage der Shoa Foundation von Steven Spielberg hat sie 1996 angefangen, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Vorher hat sie 50 Jahre über die Kriegszeit geschwiegen, hat ihrem Mann Major Cohn in der neurologischen Forschung oder Praxis geholfen, sie selbst hatte ein Ausbildung zur Krankenschwester. 

Die Spionagetätigkeit, die einen Mosaikstein zur Beendigung des Tausendjährigen Reiches beigetragen hat, beruht auf einer langen Vorgeschichte, so spannend wie ein Thriller. 

Seit Erscheinen des Buches ist die hellwache Dame mit ihrem Gatten fast pausenlos unterwegs auf Votragsreise, nicht immer sind die Hotels das Optimale, die beiden waschen ihre Wäsche selbst im Waschsalon. Rollentausch: vorher war sie seine Assistentin; jetzt ist es umgekehrt – er trägt den Koffer mit ihren vielen Ehrenmedaillen.

Nicole Alice Hens nutzt einige dieser Reisen nach Europa, um Frau Cohn an Orten ihrer Geschichte vom Metz über Poitiers, die besetzte Zone, die Flucht nach Marseille, immer wieder Paris, Elsass, Schweiz, Freiburg i. Br., zu treffen und sie darüber sprechen zu lassen, Fotos anzuschauen, bei Ehrungen und Vorträgen dabei zu sein, mit Verwandten sich zu unterhalten. Es gibt auch nachanimierte Szenen wie die Flucht mit der Oma auf dem Fahrrad aus der besetzten Zone. 

So ein Film ist allein schon deshalb wichtig, weil er vielleicht noch eine der letzten Aktiven aus dieser Kriegszeit erzählen lässt, zudem glänzt er mit einer ungewöhnlich wachen und lebendigen Protagonistin, die sich nicht geniert, der Kamera auch mal scherzhaft die Zunge rauszustrecken.

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