Die perfekte Kandidatin

Dieser Film von Haifaa Al Mansour (Das Mädchen Wadjda, Mary Shelley)

erzählt schön klar vom Umbruch in Saudi Arabien. 

Saudi Arabien ist das Land, das unter dem Einfluss von Prinz Salman einen Regierungskritiker in der eigenen Botschaft in Istanbul brutal hat hinrichten lassen, ist das Land, das einen grausamen, verbrecherischen Einmischungskrieg im Yemen führt, völker- und menschenrechtswidrig, ist aber auch das Land, das eine Öffnung versucht, das sieht, dass es nicht weiter, was bürgerliche Freiheiten betrifft, hinter dem Mond leben kann. 

Derselbe mörderische Prinz will mehr Rechte für die Frauen und will auch Kino. 

Die Geschichte von Maryam (Mila Alzahrani) ist ein Beispiel für die Schwierigkeiten dieses Prozesses. Maryam ist Ärztin in der Al Hana Klinik. Die Zufahrt zur Klinik ist nicht geteert, ist eine einzige Dreckschlammstrecke. Superhygienischer Auftakt für die Patientenbehandlung. Aber die Politik interessiert sich nicht dafür. 

Maryam ist ledig, lebt mit den beiden Schwestern Selma (Dae Al Hilali) und Sara (Nora Al Awadh) bei ihrem Vater, der Hochzeitsmusiker mit der Oud ist und auch Schüler unterrichtet. Er ist Witwer mit einem Hang zur Depression. 

Schwester Selma ist Hochzeitsfotografin, damit ist auch genügend Stoff für einen Hochzeitsfilm gegeben, was ausgiebig gefeiert wird, und wie! Maryam sucht eine berufliche Verbesserung. Aber so leicht ist das mit der Ausreise nach Dubai nicht. Noch immer muss ein Vormund, ein Vater oder ein Ehemann die Erlaubnis erteilen, falls nicht sonst was dazwischen kommt wie bei Maryem. 

Statt nach Dubai an die Konferenz zu reisen, bewirbt sie sich bei den Gemeinderatswahlen. Vater ist nicht glücklich darüber, hat aber auch andere Ziele, mit seiner Musikergruppe ist er auf Tournee und hofft auf den Sprung ins nationale Orchester. 

Wahlkampf, Bürokratie, die Umstände in der Klinik oder der Patient Abu Musa, der unter gar keinen Umständen von einer Frau behandelt werden will, führen immer wieder zu grotesken und komischen Situationen, die Hochzeits- und Musikaffinität der Story zu musikalischen Delikatessmomenten und die Protagonistin Mila Alzahrani ist nicht nur eine wunderschöne Frau (wenn sie nicht gerade verschleiert ist), sondern auch eine beeindruckende Leinwandpersönlichkeit.

Für die sorgfältig, schier architektonische Drapierung der rot-weiß karierten Kopftücher der Herren scheint ein eigene Abteilung zuständig gewesen zu sein. 

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