Finsterclown und Studentenjobberin.
Der Finsterclown (Jürgen Maurer als Hans Wallentin) fährt eine schwarze Finsterlimousine und spricht mit belegter Leidensstimme mit der Stirnhöhle als Resonanzboden. Die Figur wurde entwickelt von Nikolaus Leytner (auch Regie) vermutlich am Computer ausgedacht; das schont Zeit und Geld, erhöht die Relation des öffentlich-rechtlichen Autorenhonorars; geht allerdings directemang auf Kosten der Glaubwürdigkeit.
Der Finsterclown nimmt die Studentjobberin Ella (Lili Epply) in der Kneipe Südpol in einem Vorstadtrummel zur Geisel. Lili hat eben erfahren dass sie schwanger ist, studiert – öffentlich-rechtlich-redaktionsgefällig – Meeresbiologie und hat eine böse Mutter, die sich nicht um sie kümmert.
Finsterclown war 19 Jahre (!) mit Sandra (Caroline Peters) verheiratet; sie haben einen Buben David (Nikolai Horwath), der in der wunderbar mädchenhaften Phase kurz vor der Pubertät steckt und ein hochmodernes Haus mit allem Komfort.
Wallentin ist in seiner Firma gekündigt worden und ist wohl aus diesem Grund, so lässt dieser Fernsehfilm vermuten, der zeigt, dass nicht alles, was aus Österreich kommt, auch glänzt oder Humor und Charme hat, über Nacht zum Finsterclown mutiert. Schwer vorzustellen, wie so ein Typ 19 Jahre Ehe, Arbeit im mittleren Managementsegment und etwa ein Dutzend Jahre Kindererziehung hinter sich gebracht haben soll.
Acting heißt bei so einem hoch theoretisch und an der Lebenswirklichkeit vorbei erfundenen Drehbuch vor allem eines: eine betretene Miene aufsetzen.
Schon die Exposition ist notleidend, der Zuschauer wird überfallartig zur Geisel genommen. Warum soll er sich für den Fall interessieren, für Leute, die er nicht kennt, für einen Mann, der gerade im Bad festegestellt hat, dass seine Freundin schwanger geworden ist und der sie besuchen will und da ist sie eben im Lokal Südpol zur Geisel genommen worden.
Es fehlt die Basis für den Zuschauer, sich für den Fall zu interessieren. Der Zuschauer bleibt die erste halbe Stunde so uninformiert oder dumm wie die Polizei – und die später nachgelieferte Innenaufnahme der Geiselnahme gewinnt dadurch nicht an Spannung, zu unklar bleibt, was die Needs der beiden Figuren, die sich im Südpol verschanzt haben, ist, was das Verbindende ist, das ja eine Geiselnahme speziell machen kann.
Nach beinah einer halben Stunde wird die Geschichte von hinten aufgedröselt, wird die Vorgeschichte geliefert, in der Hoffnung, dass der Zuschauer sich dadurch plötzlich interessieren möchte. Das hilft nicht zu mehr Plausibilität. Warum verliert der Geiselnehmer ausgerechnet bei der Geiselnahme seine Digitalkamera?
Fernseh-Drehbuchstandardsatz, beliebig und überall anwendbar: „Aber in Wirklichkeit bin ich immer davon gelaufen“.
Und wenn die böse Mutter kommt, schließt der Sanitätswagen seine Tür.
Die Fernseh-Moral von der Geschicht: wenn man zu früh ein Kind bekommt, wird das ein ganzes Leben aus der Bahn werfen. Dazu gab es kürzlich sehr plausibel die Lebenslinien (Wie ich meine Mutter überlebte), im Gegensatz zu dieser Computertastenerfindung.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!