Für Sama

Doppelt an die Nieren.

Der Film von Waad Al-Kateab und Edward Watts dürfte etwas vom Härtesten sein, was es zur Zeit und für lange im Kino zu sehen gibt. 

Doppelt an die Nieren, doppelte Härte. Zum einen, weil es eine Dokumentation und nicht irgend ein amerikanischer Kriegs- oder Zombiefilm ist, sondern weil der Film zeigt, wie der Schlächter Assad und sein Mordsgeselle Putin mit einem vielfältigen Arsenal von Bomben und Raketen in Aleppo praktisch Haus für Haus in Schutt und Asche legen lassen, wie sie weder vor Schulen noch vor Krankenhäusern Halt machen. Dokument aus erster Hand, Dokument einer Journalistin vor Ort.

Noch mehr an die Nieren aber geht der Film, weil keiner von uns, erst recht nicht Journalisten oder Politiker, sagen können, wir haben nichts gewusst. Aber einige dieser Herrschaften halten lieber bei Holocaust-Gedenktagen routiniert „historische“ Reden oder geben diesem in ihren Blättern breiten Raum statt einem Herrn Putin deutlich auf die Finger zu klopfen. Wer solche Kriege schürt, führt und mitmacht, das sind Verbrecher.

Der Film sollte zur Pflichtübung an sämtlichen Schulen werden als ein mahnendes Beispiel dafür, wie phlegmatisch der Westen auf Gräuel reagiert, die er live mitbekommt; was noch kein Votum für ein militärisches Eingreifen ist, aber die Mördergesellen sind ja namentlich bekannt und man pflegt Geschäftsbeziehungen. 

Waaed al-Kateab ist Journalistin. Über 5 Jahre hat sie ihr Leben und das ihres späteren Mannes und ihrer ersten Tochter in Aleppo mitgefilmt. Von der Studentenrevolte über die Folgen erster Massacker an Zivilisten durch die Truppen des Schlächters Assad, über das Näherkommen des Krieges in Form von Luftangriffen, die Umzingelung der Stadt bis zur Kapitulation in letzter Minute. 

Ihr Mann, der Vater von Sama, der der Film gewidmet ist, damit sie etwas über ihre Herkunft erfährt, ist Arzt. Er bleibt in Aleppo, um für die Verletzten und Verwundeten da zu sein. Er ist ein wichtiger Kopf des Widertandes und ist selbstverständlich der zweite Protagonist nebst Sami. 

Bemerkenswert an dem Film ist, dass kein deutscher Sender beteiligt ist, die doch so gerne überall mitfinanzieren. 

Und wenn der Film hier sang- und klanglos sich im Kino verspielt, so wäre das das nächste, was einem an die Nieren gehen würde, abgesehen davon, dass er hervorragend gefilmt, erzählt und geschnitten ist. 

Nach dem Film wissen wir, dass eine Kaki, die wir bei uns achtlos aus dem Regal in den Einkaufswagen schmeißen, mehr sein kann als Weihnachten und Neujahr zusammen! 

Und klar ist auch, egal, was der syrische Schlächter in Aleppo vorhat, die jetzt von dort Vertriebenen, die werden keine Ruhe geben, bis sie wieder in ihrer Heimat sind. Auch aus diesem Grunde wäre es wichtig, diesem Film politischen Support zukommen zu lassen, er ist ein Bericht darüber, was woanders passiert, während wir uns vor lauter Wohlstand kaum mehr bewegen können und uns eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft leisten, die wiederum an den Grundlagen der Demokratie rüttelt. Der Film ist ein Energizer für Diskussionen über den Wert von Demokratie und Frieden. 

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