Emma

Mach einen Punkt nach Emma. Setz einen Punkt nach Emma. Herbst Punkt Winter Punkt Frühling Punkt Sommer Punkt. Will you marry me? Punkt. 

Ein Will-you-marry-me-Film. Punkt. Dieser Punkt, der nicht zum Punkt kommt, das ist nur einer der Manierismen in dieser gefühlt siebenhundertsten Jane-Austen-Verfilmung, diesmal von und nach dem Drehbuch von Eleanor Catton in der Regie von Autumn de Wilde. 

Jane Austen ist unkaputtbar, das verwickelte Spiel der Liebe, das sich punktlos durchzieht, hier durch einen viel zu langen Film, wer mit wem, wer für wen, wer ein falsches Spiel mit wem treibt im bombastischen Setting britischen Adels, dessen Lebensinhalt darin besteht, zum Frisör nach London zu reiten oder kutschiert zu werden, Tee zu trinken und sich von unendlich viel Personal beim An- und Auskleiden helfen zu lassen und sonst mit großen, starren Augen vor den wandgroßen Ahnengemälden zu sitzen und einen schlechten Eindruck zu machen, der lustig sein soll. 

Zur Abwechslung gibts eine Party. 

Die Farben von Landschaft und Innenräumen sind mit Weichmacher gebleicht, Ansatz zum Pastellenen. Sie tun so, als ob es die Zeit noch des Kerzenlichtes sei, knallen aber von außerhalb der Schlossmauern mit xKW-starken Scheinwerfern rein. 

Emma (Anya Taylor-Joy) ist die erste Begehrte – es gibt noch Nebenbegehrungen im Sinne der Komplikation und Verwirrung des Liebesspiels – und das ist die Täterfrage in diesem Film, wer wird ihr die Frage stellen, die gewisse, lebens- und glücksentscheidende Frage, die einen Film zum Hochzeitsfilm verkleinern kann. 

Bis dahin inszeniert Autumn de Wilde so, als müsse er mit dem ehedem schlecht beleumdeten Provinztheater konkurrieren, wer ruft schnell den billigen Gag über den Adel ab. Dieses übertriebene Adelsenglisch wird bis zur Veralberung zerdehnt. 

Der Regisseur liebt die Synchroninszenierung. Drei Leute sitzen mit Teetassen nebeneinander in der gleich steifen Haltung, gucken gleich blöd, heben die Tassen, trinken und stellen die Tassen gleichzeitig wieder zurück. Es ist zu billig. Oder eine Truppe junger Mädchen muss immer wieder in Zweierkolonne in roten Überwürfen und roten Hüten im Hintergrund vorbeitippeln. 

Verständlich, dass Autumn de Wilde auf solchen Firlefanz Wert und Energie investiert, denn das Tiefere an den Charakteren scheint ihn wenig zu interessieren. Oder Simpelgegensätze wie der zwischen Emma und ihrer Bekannten Harriet Smith (Mia Goth), die platt die einfältig Naive spielt, ohne Charme das Dummerchen, mit dem der übrige Adel sein Spiel treibt oder der knallchargierte Pfarrer. 

Genau so wie Bill Nighy, der es sich als Mr. Woodhouse zu einfach macht und die Rollenunsicherheit in Fingerkuppenspiel ableitet; es ensteht der Eindruck, dass das Provinzensemble in den Drehpausen massiv rumgealbert haben muss im Sich-lustig-machen über die Figuren, die sie spielen. Vielleicht wollen die uns den Abschied von England aus der EU leicht machen. Das ist gelungen. Auf so ne Bagage können wir gerne verzichten. 

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