Doku wie ein Fabergé-Ei.
Auch Überraschungsei, weil die Geschichte des Autors des weltberühmten Romans „Der Leopard“, Giuseppe Tomasi di Lampedusa, so nicht vorherzusehen war, schon gar nicht, dass er Autor würde und am allerwenigsten ein Karriereautor, der sich das als Ziel vornimmt. Der Roman wurde auf Anhieb ein Welterfolg, der dann seinen kongenial filmischen Ausdruck 1963 bei Luchino Visconti fand. Insofern bietet der Film auch eine flankierende Hilfe zur Filmgeschichte.
Luigi Falorni hat mit Thomas Keutner und Bernhard Pfletschinger das Drehbuch zu seiner süffigen Dokumentation entwickelt. Das Leben dieses sizilianischen Adeligen, der die frivole Belle Epoque als Kind in besten, verschwenderischsten Verhältnissen erlebt, bietet einen reichen Fundus an Archivfootage, das Falorni zu einem funkelnden Mosaik verwebt.
Dazwischen montiert er nahtlos und trickreich angefertigte Reencactments, auch von Interviews, dazu gibt es dominierend ein neues Interview mit Lampedusas Adoptivsohn Joaquino und einem Historiker. Diese wirken aber in der mit historischem Footage und dazwischen geschnittenen Heute-Aufnahmen von Schlössern, Städten und Landschaften nicht wie die üblichen Doku-Talking-Heads, sonder eher wie ein sparsames Gerüst, um welches herum die einzelnen kostbaren Steine/Bilder arrangiert werden.
Es ist auch eine Liebesdoku über die langwierige, schwierige Liebe von Lampedusa zur litauischen Adeligen Lissi, einer Psychoanalytikerin, selbst wohnhaft in einem pompösen Schloss im Baltikum. Gleichzeitig beinhaltet diese Liebesgeschichte die Mutter-Sohn-Beziehung, die massiv in jene hineinwirkt.
Giuseppe di Lampedusa musste als Ersatz herhalten für die kurz nach seiner Geburt verstorbene drei Jahre älteren Schwester; Mama behandelt den Sohn wie ein Mädchen und wie später der Vater starb, musste Lampedusa auch noch den Ehemann ersetzen, das konnte nur zu Konflikten mit der litauischen, sehr selbstbewussten Geliebten/Gattin führen.
Der Film erzählt im Abriss auch den Niedergang des italienischen Adels durch die Weltkriege hindurch und dann spät, nachdem Lampedusa ein Leben lang Bücher verschlungen hat, wie er eher durch Zufall, weil sein Cousin einen Literaturpreis gewinnt, sich dachte, das könne er, der Bücherwurm, wohl auch und anfing zu schreiben als ein typischer Kaffeehaus-Literat; der Film beweist: er konnte aus einem unendlichen Fundus an menschlichen Geschichten und Ereignissen schöpfen.
Als Fernsehproduktion dürfte der Film, der auch über eine sehr passable deutsche Voice-Over-Sprecher-Spur verfügt, deutlich herausragen, man müsste ihn im Kino testen; meine Sichtung fand online statt.