Just Mercy

Todesstrafe

Stell Dir vor, in Deinem Wohnbezirk wird ein brutaler Mord an einer jungen Frau verübt und aus saublöden Gründen – und wegen Deiner Hautfarbe – wirst Du dafür verdächtigt, obwohl Du rein gar nichts damit zu tun hast. Du bist jung, verheiratet, hast zwei Kinder und einen tadellosen Leumund. Aber die öffentliche Empörung über den Mord ist so groß, dass die Justiz einen Täter vorzeigen muss und einen, den man auch geständig machen kann mit üblen Tricks über einen anderen Gefangenen, der Dich kennt und Dir nicht wohlgesonnen ist. Dieser wird sogar im Gefängnis in den Todestrakt gesteckt, Erpressung, um gegen Dich auszusagen. 

Nun sitzt Du jahrelang in diesem Todestrakt und der Vollzug der Strafe ist in unmittelbarer Nähe. Und Du bist unschuldig, das muss man sich mal vorstellen! 

Bei uns gibt es die Todesstrafe nicht und der Schwarz-Weiß-Rassismus ist auch nicht unser vordringlichstes Problem. In den USA schon. 

Der Film von Destin Daniel Cretton nach dem Buch von Bryan Stevenson erzählt von einem wahren Fall in den USA in Monroe County (berühmt für sein „Mockingbird-Museum“), der 1981 seinen Anfang nahm. 

Walter McMillian (Jamie Foxx) wird verdächtigt, die junge Frau ermordet zu haben, er wird festgenommen und bald schon zum Tode verurteilt dank eines getürkten Kronzeugen. 

Rettung naht. Der junge Harvard-Absolvent und Anwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan), der eine ähnliche Herkunft wie McMillian hat, kommt in den Süden und will sich über die „Equal Justice Initiative“ für Gefangene im Todestrakt einsetzen, die Fälle nochmal aufrollen. 

Der Film schildert penibel, fast in der Art eines Protokolles, ganz unaufgeregt und sorgfältig die Schritte, die Stevenson unternimmt, wie die weiße County sich wie eine abweisende Mauer benimmt, Polizei, Gericht, Staatsanwaltschaft. Die lassen sich nicht gerne in die Suppe spucken.

Der Film zeigt das beispielhaft, ebenso die Hindernisse von Seiten der Betroffenen, Angehörigen, des Verurteilten selbst, ihre Skepsis und ihr Glaube an die eigene Chancenlosigkeit einem rassistischen System gegenüber, das krass im Gegensatz zur Verfassung der USA und den Menschenrechten steht. 

Der Weg ist lang, dramaturgisch aber überaus spannend mit Höhepunkten, Niederlagen, der Aufdeckung unglaublicher Schlampereien und Tricksereien und unverdrossenem Verfolgen des Zieles. 

Der Film berichtet viel aus dem Todestrakt, die Sträflinge dort gewinnen eigene Persönlichkeit, von vielen ist zu vermuten, dass sie zu Unrecht da sind. Es kommen auch die Schikanen vor, mit denen die örtlichen Weißen den ambitionierten Anwalt, den sie als Eindringling empfinden, ausbremsen wollen. 

Der Film ist ein Votum gegen die Todesstrafe, aber auch ein Hinweis, wie wichtig eine demokratische Justiz ist, eine faire Justiz als unerlässlicher Teil eines jeden demokratischen Gebildes. 

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