Der Unsichtbare

Was gibt es hier zu sehen?

Das Kino ist der Ort des Sichtbaren. Kann es auch Unsichtbares sichtbar machen? 

In der Anfangsphase dieses Filmes von Leigh Whannell nach dem Roman von H. G. Wells, gibt es eine Frau zu sehen, Cecilia Kass (Elisabeth Moss), die angsterfüllt aus einer supergestylten Beton-Villa hoch über den Klippen am Meer flieht. 

Erst beobachtet Cecilia ihren Bettgefährten, dann kramt sie ein Medikamentendöschen unter der Matratze hervor, richtet die Überwachungskamera mit einem riskanten Aufstieg auf eine kleine Leiter auf das Bett, sie packt einige Dinge in ihre Tasche, kickt unvorsichtig den Fressnapf von Hund Zeus scheppernd über den Steinboden, sie setzt die Überwachungskameras in der wie eine Festung ausgebauten Villa außer Betrieb, bis auf diejenige, die auf den schlafenden Mann gerichtet ist, unachtsam löst sie den Autoalarm, rennt panisch über einen Rasen zur Gartenmauer, klettert über die hohe Betonmauer, während schon der Mann am Fenster sichtbar wird, sie läuft auf eine Landstraße und wird dort von ihrer Schwester abgeholt. Der Mann erreicht das Auto noch. Sie hat ihr Diazepam verloren.

Später wird klar, welch Akt der Befreiung das für Cecilia war, so ihrem Luxusknast zu entkommen. Vorher habe sie erfolgreich ihren Mann mit Verhütungsmitteln überlistet, der unbedingt Kinder wollte. 

Elisabeth Moss spielt diese Flucht beängstigend glaubwürdig. Sie kommt bei James (Aldis Hodge) und dessen Tochter Sydney (Storm Reid) unter. 

Bis hierher hat der Film vor allem mit graphisch/bildlicher und akustischer Brillanz bestochen, der Horrorsound wird angestoßen vom Wellenbrechersound an den Klippen, hinter denen die Kamera zuerst stand und aus welcher Perspektive aus der Gischt der gebrochenen Wellen die Titel geformt worden sind. Alles sichtbar. 

Sichtbar wird später die Urne von Cecilias Mann auf einem Regal eines Anwalts und Testamentvollstreckers stehen. Denn der Gatte hat inzwischen Selbstmord begangen und Cecilia schaut einem schönen Erbe entgegen. 

Ihr Mann Adrian (Oliver Jackson-Cohen) war zwar ein Kontrollfreak aber auch ein erfolgreicher Geschäftsmann, ein „optics Grundbreaker“: der Dinge sichtbar macht, wenn man so will. 

Hier entsteht erst mal der Eindruck, der Film habe sein Pulver bereits verschossen. Cecilia wird ab hier als eine angstgemarterte, wohl psychisch getörte Frau vorgestellt, die glaubt, ihr Mann lebe noch und verfolge sie. Das wird mit üblichen Horroreffekten sichtbar gemacht. Das wird noch bestärkt, indem sie in die Hochsicherheitspsychiatrie Santa Maria Secure Treatment Center eingeliefert wird, nachdem sie ihre Schwester ermordet haben soll. 

So kann das nicht stehen bleiben. Cecilia kommt wieder aus der Klinik heraus, der Unsichtbare bleibt aktiv, wird immer aggressiver und vor allem sichtbarer, als fragmentarischer Mensch, der ein Kostüm wie ein Spiderman trägt. Die Handlung führt Cecilia zurück in die Villa. Als ob ein neuer Film anfange. Als ob alles von vorne beginnt. Doch der Unsichtbare hat ein Messer, dann eine Pistole. Und Adrian soll einen Bruder haben. 

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