Nightlife

Viel Herzlichkeit

steckt in diesem Film von Simon Verhoeven. 

Allein, was die beiden Protagonisten an Beherztheit großzügig von der Leinwand herab verteilen, Elyas M‘ Barek als Milo und Frederick Lau als Renzo. Die beiden sind Barmixer in einer Disco. Sie möchten „seriös“ werden und einen eigenen Laden aufmachen. Das Haupthindernis dazu wird der Bankangestellte Heiko (Leon Ullrich mit hingebungsvoll extrovertierter Beamtenkomik). 

Viel Herzlichkeit aber auch vom Buch von Simon Verhoeven her. Er stellt dem zentralen jungen Nachtleben, der perfektionierten Tinder-Anbandel-Oberflächlichkeit, den Ball der einsamen Herzen gegenüber und das ganz ohne Überheblichkeit und ohne Zynismus. Hier wird gegen Ende hin auch eine der anrührendsten Szenen des Filmes stattfinden. Das ist der Ort, welcher für eine gewisse Altersausgewogenheit im wunderbaren Ensemble sorgt und damit den Film vorm Absturz in jugendhaften Radau bewahrt. 

Die Geschichte ist solide gestrickt mit ordentlichen, teils ausgelutschten Fallstricken. Dann kämpfen halt die Schauspieler umso mehr, als ob sie auf Treibsand agieren; das sind die Momente, die eine Schlagseite ins Schmieren-Klamotten- oder Kindertheaterhafte haben, wenn die Koks- und Russenmafia-Story anrollt mit der vielen händischen Action. Auch diese ist durchaus ein Beweis für die überbordende Herzlichkeit, die auf Computeranimation ganz gut verzichten kann. 

Zentral im Geschehen wird schnell auch Sunny (Palina Rojinski), der eine eigene Lebenswendung zugeschrieben wird, sie soll am nächsten Tag einen beruflichen Wechsel vornehmen und von Berlin nach Atlanta fliegen. Und so will es das Gesetz der Komödie, dass sie kurz vor knapp noch Milo kennenlernt. Wie das geht ist immerhin komödienhaft, wenn auch nicht allzu zwingend durchdacht, die etwas krampfig zurechtgebogenen Gags mit den Augenklappen. Auch das ist mehr ein Sinnbild für herzliche Zuneigung des Autors und Regisseurs zu seinem Stoff. 

Wirklich schwarzer, abgrundtiefe Humor greift an der Stelle, wo die Bankangestellte Petra (Milena Dreißig) beim spießigen Spieleabend eine schmerzhaft-blutige Begegnung mit der Russenmafia hat; da erblüht die Komödie zu voller Größe. 

Dem Münchner läuft selbstverständlich das Wasser im Munde zusammen, wenn die Nachtlebenmenschen in Berlin sich schnell vom Verkaufswagen am Straßenrand eine Currywurst mit Pommes besorgen. 

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