Frosch im Schnabel

Armut ist der Skandal. 

Auch ein Deutschlandbild. 

Dieser Film von Stefan Hillebrand in Zusammenarbeit mit Ana R. Fernandes und Torsten Truscheit ist ein Verstärker, ein Multiplikator der massiven Kritik, die Pfarrerin Ilka Sobottke in der Vesperkirch in Mannheim mit ihrem sozialen Engagement an der Sozialpolitik der Bundesregierung übt, indirekt auch an der Steuerpolitik der Bundesregierung, die die Reichen bevorzugt. Somit auch herbe, Kritik an den langjährigen Regierungsparteien SPD, CDU, CSU, die es mit ihren GroKos in diesem Lande haben so weit kommen lassen. 

Die engagierte Pfarrerin organisiert seit 1998 jedes Jahr im Januar bis Anfang Februar während vier Wochen jeden Tag ein Gratismittagessen für Bedürftige in der Vesperkirche. Darüber berichtet Stefan Hillebrand in seinem Film; vor der Kirche werden er und sein Team auch begrüsst. 

Manche zahlen einen Euro für das Mittagessen, manche sogar mehr, für viele ist ein Euro kaum aufzubringen. So nutzt die Pfarrerin den ungenutzten Kirchenraum mit einem Heer von freiwilligen Helfern für diese Mittagsmahlzeiten und der Ansturm ist enorm. 

Die Pfarrerin möchte damit nicht nur einen Ort der Begegnung für häufig einsame Menschen bereitstellen, sondern auch einen niederschwelligen Zugang zu weiteren Hilfsangeboten bieten, der Dokumentarist bevorzugt hierbei filmergiebige Sujets wie der Gratisfrisörbesuch mit bildhübschen Frisösen oder das Chorsingen inklusive vorausgehender Gymnastikübungen mit einer entzückenden Nachwuchsmusikerin, die die Begegnung mit diesen Menschen vom Rande der Gesellschaft für horizonterweiternd hält. 

Zwischen die Szenen von den Mittagessen, den Vorbereitungen, den Gesprächen, die sich ergeben, der Kleiderausgabe sind immer wieder Predigtausschnitte zu hören; unüberhörbar deutlich spricht die Pfarrerin über Armut, die Würde des Menschen vorm Hintergrund des Evangeliums. Und es wundert nicht, dass sie auf Widerspruch stößt von erfolgreichen Leistungsträgern. 

Der Zuschauer bekommt Einblick in die Leben vieler, auch vieler reflektierter Menschen, Einsamen, Armen, Gestrandeten, Geflüchteten, HartzIVlern, Leute mit kleinen Renten, notorischen Bettlern, einem Punk (Ex-Waldorfschüler), einem Mann, der sexuellen Missbrauch in der Kindheit erlebt hat, einem jungen Mann, dem mit drei Jahren der erste Joint verabreicht worden ist und der sich nichts sehnlicher wünscht, als seine Tochter zu sehen, Single-Männern, die von einer Frau träumen, Kranken, Roma aus Rumänien, die mit Arbeitsversprechen gekommen sind, einer Künstlerin, Menschen die lange nicht alle selbstverschuldet am Rand der Gesellschaft leben.

Dies ist politisches Kino insofern, als es einen Teil bundesrepublikanischer Realität respektvoll und genau betrachtet, eine Lebenswelt, die nicht so ganz zum eleganten Berliner Politbetrieb und dessen floskelhaftem Sozialsprech passt. 

Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt. 

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