Enkel für Anfänger

Die Asche von Gerhards Hund

muss herhalten für einen die Stroy initiierenden Gag dieses Filmes von Wolfgang Groos nach dem Drehbuch von Robert Löhr. 

Es ist die Asche des Hundes von Gerhard (Heiner Lauterbach) als einem der drei den Film prägenden Figuren. Er wird eingeführt als traurernder Hinterbliebener erst seines Mannes und jetzt seines Hundes. Dessen Asche führt er in einer rundlichen Blechdose (für Konfekt oder Tabak) spazieren. Er begegnet Karin (Maren Kroyman), der zweiten hervorgehobenen Figur dieser deutschen Komödie. 

Karin ist kinderlos verheiratet mit Günther Maria Halmer; da versteht es sich qua Casting, dass sie Sehnsucht nach Neuseeland hat, während ihm Bad Salzuflen genügt. Sie ist auf dem Weg zu einer Agentur, die Enkel an unterbeschäftigte, von Sinnleere gequälte Senioren vermittelt. Während der Beratung wartet Gerhard draußen. 

Durch den Zusammenstoß mit einem Jungen passiert ein Hundeurnenmissgeschick, die Asche liegt zerstreut sich auf der Straße. Die beiden kümmern sich darum. Das wird von der Agentur aus beobachtet. 

So werden Geschichten angebahnt, die Gemüt und Interesse der Zusschauer bannen, ihn zu Gedanken anregen. 

Als explosives Bündel unkonventioneller Seniorenenergie vervollständigt Barbara Sukowa als Philippa das Senioren-Startrio. Sie lebt alternativ in einer Wohnwagensiedlung, sie hat keine Kinder, kümmert sich als Erzieherin um omalose Enkel. Sie fasziniert mit ihrer unbändigen, mit Rastaelementen durchsetzten Haartracht und der erfrischend, leicht klirrenden, schmalzigen Lache. Den Kindern bringt Philippa lieber das Klauen und Dreckeln statt drögen Benimm bei. 

Der Versuch, den Film, zumindest die personelle Grundkonstellation nachzuerzählen, macht deutlich, dass das Buch gut durchdacht ist, es orientiert sich an realen Lebensproblematiken, erzählt diese gerne auf der Ebene des Witzes und der Vorbereitung zur Pointe, weniger auf derjenigen schwarzen Humors, wobei, wie Philippa sich an ihre Leihenkelin ranwanzt, resp. an deren Elternhaus schon herrlich ist, umso mehr als diese beiden pfiffig ausgesuchten, blutjungen Eltern wie aus dem Elternberatungsbuch in ihrer Überkorrektheit schon an sich eine geradezu kuriose Gegenwelt gegen die von Philippa abgeben. So sind Konflikte absehbar.

Auch wie Gerhard als Probeopa dem Jungen ein Eis kauft und das von Passanten falsch verstanden wird inklusive Polizeiaktion, das sind Konstellationen, die keine Zweideutigkeit auslassen. 

Das Publikum in der Voraufführung für „Family und Friends“ im großartigen Arri Lounge Kino in München, einem aufregenden, neuen Saal in München, amüsierte sich köstlich, mag der Film auch momentweise mit Rhythmus oder Tempo kleinere Probleme haben, sowie eine Schlagseite in Richtung Fernsehen, an Substanz fehlt es ihm sicher nicht, dafür garantieren schon die drei Senioren-Cracks. 

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