21 Bridges

Fetter Ballermann Manhattan

In Manhattan gibt es viele Waffen, viele Polizisten und viele Ganoven. Man stelle sich vor, es gebe keinen Ausweg mehr aus diesem Distrikt, alle 21 Brücken seien geschlossen – und selbstverständlich, auch wenn es realistisch schwer vorstellbar ist – ebenfalls die Tunnels, Luft- und Seewege, alle Schotten dicht, so dass es kein Entkommen mehr von der Insel im Hudson River gibt, tja was dann? 

Dann wird noch viel mehr als sonst in amerikanischen Thrillern rumgeballert. Bis die beiden Bösewichte Michael (Stephan James) und Ray (Taylor Kitsch) erledigt sind. Hinter ihnen her ist die ganze Polizei von New York. Voran der Detective Andre Davis (Chadwick Boseman) und in seinem Windschatten die Drogenfahnderin Frankie Burns (Sienna Miller). 

Da es hier aber nicht nur zwei gegen zwei geht, sondern faktisch einer gegen die ganze Drogenmafia und die korrupte Polizei dazu, müssen entsprechend viele Pistolenmagazine leergeschossen werden. Insofern ein Ballermann-Film.

Aber auch ein Film mit Botschaft. Das zeigt die erste Szene, die etwa 20 Jahre früher spielt. Hier wird mit soviel Pathos wie kaum Platz auf der Leinwand hat, der Vater von Andre beerdigt. Er war Cop mit Leib und Seele und wurde erschossen. Das ist die fette Message der Szene, dass es nicht gut ist, Polizisten zu erschießen. Fett ist auch die geschminkte Tränenbahn über die eine Wange von Bub Andre, der neben seiner Mutter der Abdankungsszene beiwohnt. 

„Fett aufgetragen“ ist auch ein Begriff, der ganz gut zu diesem Film von Brian Kirk nach dem Drehbuch von Adam Mervis und Matthew Michael Carnahan passt. Das gilt nicht nur für das gesprochene Wort, dass immer laut, plakativ, gut verständlich beinah geschrien wird, Nuancen nicht vorgesehen, so wenig wie bei der Charakterisierung der Figuren. 

Fett aufgetragen passt zur Moral der ersten Szene, wie schlimm es doch sei, einen Cop zu erschießen. Dem ist auch nicht zu widersprechen, obwohl Andre als Polizist in den ersten Jahren eine hübsche Anzahl von „Kills“ vorzuweisen hat, was eine Art Verhör bei der Einführung des erwachsenen Andre als Cop in den Film zeigt.

Fett aufgetragen ist vor allem die Musik, die aufdreht und uns die Ohren zudröhnt, als ginge es um die Eroberung Roms und Jerichos zugleich, allein schon, wenn einige Polizeifahrzeuge mit Blaulicht auf eine Kreuzung zu fahren.

Fett aufgetragen ist die Musik in fast jeder Szene, als wolle sie die Inhaltsleere und Brüchigkeit in der Logik und der Entwicklung der Geschichte einfach wegdrücken. 

Den Rest an Fett liefert die überwiegend schummrige Beleuchtung mit ihren vielen Spiegelungen in Wasserlachen, mit Dämpfen und Lichtreflexen sowie Schlaglichtern in der häufigen Dunkelheit, als ob es darum ginge, ein Betroffenheitskino zu machen. Um die vielen erschossenen Polizisten tut es einem allerdings dann doch nicht so leid, weil sie ja alle durch und durch korrupt waren. Womit sich ein Widerspruch zur Eingangsszene auftut. 

Ein Nachsatz: Der Film NEW YORK – DIE WELT ZU DEINEN FÜSSEN, der am 12. März ins Kino kommen soll, der zählt 35 Brücken!


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