Oscar Shorts 2020

über OSCAR SHORTS 2020

Abwechslung für den Kinogänger

In ausgewählten Kinos werden ab heute die dieses Jahr für den Oscar nominierten Kurzfilme in zwei Kategorien gezeigt, fiktionale und Animationsfilme. 

Fiktion

Um schwesterliche Nähe geht es in EINE SCHWESTER von Delphine Gerard. Eine nächtliche Autofahrt und ein Telephonat mit der Notrufzentrale werfen einen surrealen Blick auf disparate menschliche Verhältnisse. Flucht schafft besondere Nähe bei Meryam Joobeurs Film BRUDERSCHAFT. Nebst einem markanten Cast wird auch das Thema IS virulent. 

Aus nachbarschaftlicher Nähe zieht Marshall Curry in DAS FENSTER DER NACHBARN beinah so viel Spannung wie Hitchock in seinem „Fenster zum Hof“, wobei es doch um viele banalere Dinge bei einem Paar und einer Familie geht. Knast schafft besondere Nähe unter den Mädels im Frauenknast in Guatemala. Brian Buckley nutzt in SARIA einen realen Ausbruchsversuch in Guatemala von 2017 um zu zeigen, wie aufregend er so eine Geschichte erzählen kann, ohne das zarte Pflänzchen Liebe zu übersehen. 

Beim fünften und letzten Kurzfilmoscarkandidaten FUSSBALLCLUB NEFTA von Yves Piat darf herzhaft gelacht werden über eine Gaunerkomödie, die im Grenzgebiet von Tunesien und Algerien angesiedelt ist und in der ein Esel gerne „Adel“ hört. 

Animation

An der Oberfläche des Kopfes, bei den Haaren, bei einem Wust von Haaren eines kleinen Mädchens, bleiben die Regisseure Matthew A Cherry, Everett Downing Jr. und Bruce W. Smith nach dem Drehbuch von Matthew A. Cherry hängen und schauen in HAIR LOVE, was sich damit so animieren lässt, nicht ohne Niedlichkeitsfaktor. In bester tschechischer Puppenanimationstradition mit hochkünstlerischen Figuren (Pappmaché oder Ähnliches) in poetisch einfachen Interieurs lässt Daria Kashcheeva in DAUGHTER ein Mädchen Metamorphosen durchleben (der Vogel, der ins Fenster fliegt) und Erfahrungen mit dem Alleinsein, dem Tod, dem Verlassenwerden machen. 

Siqui Song erinnert in SISTER an Chinas Einkindpolitik von 1980 – 2015 und erfindet sich mit seiner amerikanisch-chinesischen Stoffpuppenanimation die vier Jahre jüngere Schwester selber, die er nie hatte – aber sie hätten sich wohl auch viel gestritten. 

Mit den Auswüchsen einer Ehe als absurd-groteskem Puppenbühnentheater MEMORABLE bewirbt Bruno Collet aus Frankreich sich um den Kurzfilm-Oscar; ob das Gremium genügend Fantasie zum Schätzen eines solchen Animationsjuwels hat? 

Rosana Sullivan zeichnet in KITBULL die Rühr-Geschichte von einem kleinen schwarzen Kätzchen und einem weißen, furchterregenden Pitbull, die sich anfangs in einem menschlichen Hinterhof gar nicht grün sind. 

Ein verwachsener Rücken und rote Haare sind Handicap und Antrieb zugleich für HENRIETTA BULKOWSKI; Rachel Johnson lässt sie als bezaubernd animierte Puppe ein verwegenes Ziel in malerischer Müllhalde fassen und eine andere einsame Seele finden. 

Carol Freeman schmeichelt dem Auge mit der aquarellhaften Meeres-Abenteuer-Animation THE BIRD AND THE WHALE, die von einem Wal und einem goldenen Vogel in einem Käfig erzählt. 

Zum Abschluss unterhalten Loris Cavalie, Camille Jalabert, Oscar Malet und Léo Brunel in HORS PISTE mit einer quietschbunten, nichtsdestotrotz schwarzhumorigen Skirettungs-Actionanimation, die erheblich am Sicherheitsdenken nagt. Die Zugabe stammt von Illogic mit der tierweltanimierten Opernchorparodie MAESTRO. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.