Im Gefühlsrausch.
Volupté statt vérité im Kino.
Anlass für den Bilderrausch mit schönen Frauen in feinen, historischen Kostümen ist für Greta Gerwig diesmal ein Roman der amerikanischen Schriftstellerin Louisa May Alcott. Ein Viermädelhaus. Wirtschaftlich gut dastehend, der Vater im Bürgerkrieg zugange. Die Mädels lustig zuhause. Es gibt eine ärmere Nachbarschaft. Und eine reichere.
An Weihnachten entscheidet Mutter March, dass die vier Mädels ihr Frühstück in die arme Nachbarschaft bringen. Fröhlich und bunt gekleidet staksen sie mit den Körben durch den Schnee. Die Armen sind wirklich arm. Auf der anderen Seite ist ein sehr reicher, einsamer Nachbar. Der hat seinen Enkel Laurie (Timothée Chalamet) bei sich, will ihn bilden und erziehen lassen. Der Kontakt zu den March-Schwestern kann nicht ausbleiben.
So unbekümmert wie junge Mädchen und junge Frauen sind, hupft Gerwig in ihrem Film zwischen den Zeiten hin und her, dass einem schier schwindlig werden kann, auch noch zwischen einem Boarding Haus in New York und der Künstlerszene in Paris.
Die vier Töchter March (Jo, die Protagonistin und Autorin, Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pguh) und Beth (Eliza Scanlen) jedenfalls scheinen alle ein Auge auf den gar so hübschen Laurie geworfen zu haben.
Viel mehr Frauen-Schauspielerinnen-Schönheit hätte Gerwig jedenfalls kaum in ihrem Film versammeln können. Denn auch Meryl Streep spielt noch eine köstliche alte Schrulle wie direkt aus einem Agatha-Christie-Krimi und lässt sich durch die Faubourgs von Paris kutschieren.
In ihrer nicht zu bremsenden Begeisterung für die opulenten Tableaus und Bilder, die auf engem Raum die Schwestern und viele Personen mehr versammeln und sie quicklebendig rumtun lässt, verliert Gerwig den Faden einer Geschichte.
Unterm Strich kommt raus, wie aus Jo eine ernsthafte Schriftstellerin wird, die über das Heitere schreiben will, während Schwester Meg das Ernstere wählt, die Heirat.
Das Heitere hat wohl auch die Regisseurin sich zu Herzen genommen und hat sich gedacht, wenn sie nur genügend Heiterkeit und Lustigkeit auf die Leinwand bringt, dann habe sie zum Wohl des Zuschauers agiert. Doch die Zuschauer haben verschiedene Geschmäcker und jede Schwelgerei in Bildern kann ein Übermaß werden; auch ein Übermaß an Heiterspaß ist immer noch ein Übermaß. Dass am Ende eine Heirat steht, das ist, so erzählt es auch der Film, lediglich dem Komerzdenken des Verlegers – oder des Filmproduzenten – zuzuschreiben. Ein Anspruch, den der Verleger an die Texte stellt, ist „short and spicy“; zumindest „short“ hat hier, was die Filmlänge betrifft, nicht funktioniert mit 135 Minuten Laufzeit.