Die Wütenden – Les Misérables

Wo‘ s brodelt

In der Banlieue von Paris, wo die sozialen Wohnblocks in die Höhe schießen, dicht an dicht, kann es schnell zu Konflikten kommen zwischen den verschiedenen Zuwandererethnien, jugendlichen Arbeitslosen, die bildungsarm sind, zwischen religiösen Positionen, der Staatsmacht und von Clan- und Gangmacht. So wie die Machtverhältnisse real sich einpendeln, da ist niemand, der nicht korrupt ist oder wengistens religöser Fanatiker. 

In diesem Kraftfeld eines höchst labilen Gleichgewichtes jenseits der staatlichen Monopolherrschaft siedelt Ladj Ly, der mit Giordano Gederlini und Alexis Manenti auch das Drehbuch geschrieben hat, diesen aufregenden Brennpunktfilm an. 

Ein aus dem Zirkus Zeffirelli (von Zigeunern betrieben) gestohlenes Löwenbaby ist das Corpus Delicti, geklaut von Issa (Issa Pericla), an dem sich die dramatische Handlung entzündet. Eine Drohnenaufnahme eines skandalösen Vorganges, die der etwas vergeistigte Milchbubi Buzz (Al Hassan-Ly) gemacht hat, zündet die nächste Eskalationsstufe, da wird es richtig heftig und viel gerannt wird auch – weil das Video die Polizei überführen könnte. 

Die Akteure dabei sind ein Trio von Zivilpolizisten: Christ (Alexi Manenti) und Gwada (Djebril Zonga), die sich als Herren des Viertels sehen und voll korrupt sind; zu ihnen gesellt sich Chris Ruiz (Damien Bonnard), den sie wegen seiner fetten Haare „Pomado“ nennen; seine Berufsauffassung ist noch rein. 

Dann ist da der Bürgermeister (Steve Tientcheu) mit seinem Sidekick, der lokale Gangboss mit seinen Gehilfen und Informanten und schließlich gibt es noch die religiöse Fraktion mit dem Islamlehrer Salah (Almamy Kanoute), der eine Macht für sich ist. Und eine Gruppe von etwa einem halben Dutzend pubertierender Jungs, die einerseits die Religion einlöffeln sollen, die rumhängen und die schnell den Respekt vor den Ersatzmachtstrukturen verlieren und das Brodeln zur Explosion bringen können. 

Die Jagd geht erst hinter dem Löwenbaby her – das wiederum ist das Interessante, dass in so einem Stadtteil nichts unbemerkt bleibt – und dann hinter dem Clip mit dem Film, der für die Zivilcops reines Dynamit bedeutet, bis zum Countdown in einem der Hochhäuser; der Lift ist defekt; das Treppenhaus für gewalttätige Auseinandersetzungen zu eng, was die Kampftemperatur nochmal erhöht. 

Die Darstellung des Milieus kommt realistisch und glaubwürdig rüber, die Sprache, die Darsteller dank Drehbuch und Regie. Die dramatischen Wendungen überraschen immer wieder. 

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