Neues Kinogenre?
Es gibt ja im Kino schon die Opernlive-Übertragungen als Sonderveranstaltung. Diesen Film von Jörg Adolph mit den großartigen Bildern von Daniel Schönauer (plus Zeitraffer-Zutaten von Jan Haft) könnte man als innovative Sonderveranstaltung im Sinne einer filmischen Buchpräsentation sehen und durchaus mit Chancen auf Erfolg. Denn das Buch „Das Geheime Leben der Bäume“ des Ex-Försters Peter Wohlleben ist, so wie es hier präsentiert wird, höchst unterhaltsam.
Die oberste Prämisse von Wohlleben ist die: ich bin kein Wissenschaftler. Er war Förster und entsetzt zu sehen, wie die Waldwirtschaft gegen das Leben des Waldes betrieben wird. Deshalb hat er seine Stelle gekündigt. Aber die Gemeinde hat ihn weiter beschäftigt, im Sinne eines Wald-Forschers oder eines Wald-Flüsterers. Jedenfalls hat er und tut es noch den Wald ganz genau studiert. Wie der Baum ein Sozialwesen ist, das höchst sensibel und kommunikationsreich mit den einzelnen Individuen umgeht.
Jörg Adolph präsentiert gleich zu Beginn das Buch. Dann blättert er drin, nimmt sich einzelne Kapitel vor. Und immer wieder wird das Buch, Kapitel, das Umblättern eingeblendet. Sogar Textpassagen.
Ein weiterer Faden in der Montage der Erzählstränge sind Bilder von öffentlichen Auftritten von Wohlleben, von der Buchmesse, von Lesungen, von Interviews oder Führungen in den Wald.
Oft ist Wohlleben im Wald, um für die sozialen Netzwerke kleine Filme mit dem Handy aufzunehmen und auf aufschlussreiche Details im Wald hinzuweisen, auf einen Splitterbaum, einem Baumsplitter, der sich, da der Rest des Stammes zu Boden gekracht ist, selbständig weiterentwickelt und bereits um über den halben Umfang eine funktionierende Rinde hat oder Details zur hochkomplizierten Symbiose zwischen Bäumen und Pilzen.
Der Film ist eine kurzweilig, pragmatische Einführung in das Innenleben eines Waldes samt Seitenblick auf die Stiefkinder, jene Bäume, die zu Straßenkindern werden. Wohlleben ist ein humorvoller Erzähler und verheddert sich nicht in wissenschaftlichem Kauderwelsch.
Die These des Filmes, dass wir Menschen uns nicht um den Wald kümmern brauchen, dass der das schon von sich aus tut (grad war in den Zeitungen zu lesen, dass Förster eine Milliarde zur Rettung des Waldes fordern), dass er halt sehr langsam sei dabei, die deckt sich mit der These aus dem Film Das Geheimnis der Bäume oder mit den Beobachtungen des Österreichers Erwin Thoma in But Beautiful – Nichts existiert unabhängig.
Um den Wald braucht uns nicht bange werden – eher um den Menschen.